Marathon, Darß, der vierte

29.1.2018

29.1.2018

Vor einem Jahr startete ein ähnlicher Text, Anlass war der Trainingsstart zum Marathon. Das Vorhaben scheint Tradition entwickeln zu wollen, mal sehen, was draus wird. Der Trainingsplan forderte heute 40 min ruhigen Dauerlauf, da hab ich mich zwar gewundert, hab es aber erledigt. Es war meine 53-min-Runde, die bin ich nicht ruhig, eher zügig angegangen, so dass ein kleiner privater Streckenrekord dabei herauskam. Fast hätte ich die 50-min-Grenze geknackt, musste allerdings an der Straße warten, so dass ich die 6 sec, die fehlten, darauf schieben kann. Seit langem hat mein Zeit-und-Streckenmesshandy mal wieder einen km angezeigt mit 3.58 min, halt bergab, aber ich habe ja wirklich Gas gegeben und auch gemerkt, dass es gut lief. Also ein schöner Start. Musik war diesmal Wynton Marsalis zusammen mit Eric Clapton. Das geht ziemlich gut, nur wenn Clapton anfängt Standards zu singen, wirkt es bissle komisch, wie nicht angemessen, als ob er den Geist der traditionellen Stücke nicht richtig erwischt oder umsetzen kann. Es ist nicht schlecht, was er macht, ich empfinde trotzdem manchmal was wie eine kleine Unstimmigkeit in dieser sonst hochwertigen Session.

30.1.2018

Die Vorgaben der Trainingsplans muss ich an meinen untypischen Arbeitsrhythmus anpassen, so hab ich mir heute den langen Wochenlauf vorgenommen, 25 km sollen langsam gelaufen werden. Eine Vorgabe hab ich verfehlt, dafür die andere brav eingehalten. Mein Handy zeigte zu Hause 23,66 km an, ich war empört, und ich konnte mich nicht aufraffen, die anderthalb km anzuhängen. Dafür hab ich langsam als Vorgabe erfüllt.
Ich bin losgehoppelt bis Ofterdingen, da bis zum Ortseingangsschild, das ist wie ein Etappenziel. Dann die halbe Strecke zurück und nach Kiebingen abgebogen. Da schaut man beim Ins-Tal-Laufen zu einem mäandernden Bach runter, der hätte auf direktem Weg vielleicht nur ein Viertel seiner Länge, da entstehen fast Inseln, solche Kurven macht er. Das letzte Stück übers freie Feld, Gegenwind, dazu der Eindruck, überm freien Feld ist immer, immmmmer Gegenwind.
Musik von Nina Simone, eine best-of-Zusammenstellung von einem YouTuber. Schon beim Reinhören wird klar, warum sich viele der heute bedeutenden Sängerinnen auf sie berufen, sie als wichtiges Vorbild nennen. Dazu kommt noch ihr Lebensweg, sie musste um viele heute selbstverständliche Freiheiten kämpfen und hat das getan. Ihre Stimme, ihre Interpretationen und ihre Art, Klavier zu spielen erreicht mich sofort, das hat Kraft, ist schön, ist selbstbewusst, ein Klassiker.
Über ein Buch will ich noch was schreiben. Ich lese schon die zweite Woche dran, das ist ungewöhnlich, zumal ich erst zwei Drittel geschafft hab. Es ist schwer zu lesen, da die erzählten Abläufe aus der Perestroika-Zeit in Russland bzw. in der Sowjetunion aus der Stalin-Zeit sind und so eindringlich von persönlich erlebten  Ungeheuerlichkeiten handeln, also von Putsch und Pogrom, von Verbannung und Gulag, jeweils von denen formuliert, die es durchlitten haben, dass ich nur eine gewisse Dosis vertrage. Die Bilder sind so intensiv, dass ich auf der Stelle allen Mut verliere, völlig am Menschen zweifle. Das Buch ist von Swetlana Alexijewitsch,heißt Secondhand-Zeit, Leben auf den Trümmern des Sozialismus, und schon nach 30 oder 50 Seiten war ganz klar, warum es 2015 für ihr Lebenswerk den Nobelpreis für Literatur gab.

31.1.2018

Eine Stunde locker und fünf Steigerungen am Ende, das war heute Laufprogramm. Hab ich am Nachmittag erledigt, schön ist, es ist länger hell, man kann halb sechs noch aus dem Wald laufen, vor vier Wochen war es da zappenduster. Es ging mühsam los, ein kleiner Muskelkater oder ein Erschöpferle von gestern steckte noch in den Oberschenkeln, laut Plan ist nach dem langen Lauf Ruhetag, das geht nicht mit meinen Abläufen zusammen. Nachdem ich den Anstieg geschafft hatte, war es sofort besser. Außerdem hatte ich mir zur besseren Motivation je ein Stück Kirsch- und ein Stück Apfelstreuselkuchen aus dem Frost geholt, das war die Zielprämie. Danach also Duschen, Kaffee und Kuchen und sich gut fühlen, weil, es war geschafft, das ist doch schönes Leben.
Musik heute war ein Konzertmitschnitt, Rokia Traore, sie kommt aus Mali und verbindet afrikanische Tradition kraftvoll mit dem HeuteJazz. Sie interpretiert intensiv, formvielfältig und ihre Stimme kann alles sehr überzeugend, soll heißen, sie kann alle ihre vielen Arten zu singen. Man findet sie auf YouTube.

1.2.2018

Drei km einlaufen, fünf km zügiger Dauerlauf, drei km auslaufen, das war die Vorgabe für heute. Es ist kälter geworden, krasser Wind über den Feldern, natürlich von vorn, so viele m gibt es gar nicht um klarzumachen, dass der Wind auf dem Feld immmmmmmmmer von vorn kommt. Das zügig ist nicht so an der Zeit zu sehen, wenn ich aber den Winddruck bedenke, war es allemal ok.
Musik: traditionelles aus Marokko, auch über YouTube gezogen, da gibt es sehr unterschiedliche Qualitäten, ich bilde mir ein, ich habe eine wundervolle Zusammenstellung gefunden, allerdings höre ich die schon lange, es ist mir vertraut, wer weiß, obs wirklich was taugt, egal, mir gefällts.

2.2.2018

Härtetest: Frühschicht, der Wecker klingelt kurz nach halb vier, zum Bus, eine Stunde fahren, dann Arbeit. bis zehn geht das gut, dann ist jede Aufregung willkommen, die Müdigkeit zu bekämpfen. Ein Erlebnis: Beim Pinkeln, im Pissbecken ist eine Fliege aufgedruckt, zum zielen. Als ich mich so erleichterte, fing die an wegzukrabbeln, ich hab dann schnell den Blick wieder scharf gestellt, dann war alles in Ordnung und das Viech war da, wo es hingehört.
Jedenfalls fehlte noch eine Etappe des Wochenplanes, die Vorgabe war je zwei km ein- und auslaufen, 3 mal 10 min zügig, dazwischen je 4 min Trabpause. Ich bin also nach schweren inneren Kämpfen und dem Ausprobieren aller Ausreden, die mir in den Sinn kamen, es waren viele, auf meine 53-min-Runde gegangen, da geht schon der erste km knackig bergauf, dann der dritte und vierte wieder, und als ich oben war, hatte ich schon den Erfolg. Ich war ja nicht mehr zu Hause, hatte mich besiegt und hatte beim letzten Stück am Berg das Vermögen, im Kopf von Vormichhintrotteln auf Gasgeben umzuschalten, schon durch den Entschluss änderte sich der Laufstil, es war noch nicht schnell, aber elastischer und raus aus dem kleinen Mühsamschritt. Die dadurch zustande kommende Freude reichte aus, auf der Ebene und bergab dann wieder alles zu geben, so dass wieder eine gute Zeit raus kam. Die wäre vor meinem letzten persönlichen Rekord vom Montag auch Bestzeit gewesen.
Musik: Angus & Julia Stone, ein Konzertmitschnitt, Folk und Blues, sehr angenehm, nix schwieriges, sehr ausgefeilte Textinterpretation, nicht einfach runtergesungen, jede Silbe lebt und teilt sich dadurch mit.

5.2.2018

Zwei Tage nicht trainiert, dafür gearbeitet, Samstag 9 Stunden, Sonntag 11 Stunden, jeweils die Fahrzeit dazu 55 km einfache Strecke auf die Alb rauf. Am Sonntag Nachmittag noch zum Geburtstag eingeladen, war schön, die verschiedenen Verwandten mal wieder zu sehen, es gab sogar ein neues Kind zu sehen.
Heute hab ich mir aus dem neuen Wochenplan 60 min locker laufen rausgesucht. Sonnenschein, kalter Wind, sonst aber gut, ich bin erst übers freie Feld und dann hoch in den Wald gelaufen und hab versucht, im Anstieg die Schritte groß und locker zu halten. das scheint mir zumindest zeitweise zu gelingen und das macht so gute Laune, dass es auf der Abwärtsstrecke richtig schnell wird, immerhin hab ich vier km unter 4.30 min geschafft.
Musik: fleetwood mac - greatest hits, das ist schon ziemlich alt, mir gefallen die Sachen

6.2.2018

Der Plan gab langsame 25 km vor, ich dachte, wenn ich eine Schlaufe zu meiner 22er Strecke dranhänge, müsste es passen, ein halber km hat gefehlt. Ich verzeihe es mir. Ich hätte ihn auch noch geschafft. Die Sonne schien, der Wind war sanft, ich lief in Tübingen durch die Mittagspause, das heißt, ich musste mich an der Steinlach entlang durch Horden von mampfenden Menschen wühlen. Am Neckar war es dann wieder ganz still, ich wollte nach den Mandarinenten schauen, vor einer Woche hatte ich da hinter dem Freibad ganz viele Pärchen gesehen, die Männle haben grad ihr Prachtkleid angelegt. Die sehen so was von prunkvoll aus, da spielt die Moral keine Rolle mehr, von wegen, es kommt nicht auf Äußerlichkeiten an, hahaha. Die Mädel wählen wohl doch so. Also die Entenmädels. Zu Hause merkte ich dann schon, dass die Strecke lang war, bänglich überdachte ich mein Vorhaben, da fehlen ja noch über 17 km. Es hilft nur weitermachen.
Noch eine Nachricht, die nix mit Laufen zu tun hat. Meine Cloorchidee ist erblüht, es ist ein Dendrobium kingianum, das Geheimnis bei der Pflege ist die Temperatur, es soll ziemlich kühl sein, mein Clo bietet das. Schaut selbst.

Musik: eine Sammlung von Titeln von Billie Holiday, sie lebte von 1915 bis1959, für mich die allergrößte Jazzsängerin aller Zeiten. Sie hat neben den üblichen Fähigkeiten, singen zu können, improvisieren zu können, einen völlig neuen individuellen Gesangsstil entwickelt, mit Melodie- und Tempoverschlurfungen, damit wurde sie zum großen Vorbild lauter bedeutender Jazzsängerinnen. Sie hat sich aufgelehnt gegen die Rassendiskriminierung in den USA, sie war die erste schwarze Sängerin, die mit weißen Musikern auftrat, schon das gab ständig Ärger. Außerdem ist ihre Biographie überhaupt interessant, wenn man die fürchterlichen Verhältnisse ihres Anfanges sieht und ihren Weg da heraus.

7.2.2018

Der Plan gab vor; 30 min Schwimmen als Alternativtraining. Ich hatte aber heute die Möglichkeit, in schneller Gesellschaft zu laufen, mit Kathrin von Hirschau aus über Wurmlingen  und Unterjesingen nach Tübingen und wieder zurück nach Hirschau, gab am Ende 16,2 km in 1.20.59 h. Schöne Strecke, schöner Schnitt von 5.00 min/km, keine Musik, dafür je nach Vermögen netter Plausch unterwegs, also mir fehlte manchmal die Luft für einen ausführlichen Satz. Am Neckar hinter dem Freibad gab es einzelne Mandarinenten, ich hatte vor paar Tagen ganz viele gesehen. Hatte dem Matthias Bescheid gesagt, ich kenne ihn vom Sportpark, weil er tolle Fotos von Tieren in der freien Natur macht. Und bekam diese schönen Bilder von Mandarinenten, die er vor zwei Jahren machen konnte und die Erlaubnis, die hier zu zeigen. Bitteschön

Diese vier schönen Bilder sind von Matthias Schmidt, auf seiner Seite, die heißt Kleine Waldkiste, findet man noch viel mehr solche Kostbarkeiten

Das bekommt man alles so beim Laufen mit zu sehen, ich find, schon deswegen lohnt es sich.

8.2.2018

Alternativtraining, keine Lust zum Laufen, warum auch immer, eigentlich wollte ich zum Jogatermin, Joga fiel aus wegen der Feierei zur Fasnet, darum also der 100-Pack im Studio. Das heißt 100 Liegestütze, 40 Klimmzüge, 100 Kniebeuge mit dem 15-Kilo-Sack, 100 Situps, 100 Boxjumps. Alles sortenrein bis zur vollen Zahl, Pausen so kurz, wie es halt geht, bis es fertig ist. Dann zur Belohnung bißle dehnen und Sauna.

9.2.2018

Vor dem Spätdienst hab ich die 9-km-Runde geschafft, es gibt keine Karte dazu, mein Handy hat komplett Unfug vermessen. Die Zeit stimmte, die Strecke wurde mit über 13 km angezeigt. Der km-Schnitt war sofort wesentlich besser, ach wenn nur das so einfach wäre.
Musik: Beethoven, die 6. Sinfonie, sie ist mir vertraut, es ist eine tolle Einspielung mit Thielemann als Dirigent. Sehr überzeugende Schlüssigkeit, nachdem die ersten Muster vorgestellt werden, entwickeln sie sich weiter, das bleibt immer verfolgbar, immer logisch. Diese Systematik ist in dieser Aufführung sehr klar herausgearbeitet, bzw. als wichtig genommen, ich bin sofort gewonnen.

12.2.2018

Ein neuer Wochenplan, der dritte, gab als lange Strecke 28 km langsam vor, ich wollte es gern gleich am Montag angehen, weil Zeit dafür da war. Hab mich aufgemacht durch den Rammert nach Ofterdingen, bin von da weiter Richtung Dusslingen, und als ich dachte, es könnte die halbe Strecke sein, das war am Sportplatz Dusslingen, bin ich umgekehrt und hab es zurückgelaufen. Ab der Wende kam ein kalter, beißiger Wind auf, dazu gesellten sich so Schneehagelkullern, die auf dem Boden und bestimmt auch auf mir, da sah ich es nicht, zerschellten. Es waren die bisher ungemütlichsten 5 km. Im Wald rückzu war es sofort besser. Mein Handy zeigte 27,5 km an, da war ich es zufrieden. Zu Hause hab ich eine Weile gebraucht, um aus dem Frostwackelmodus herauszukommen, Duschen hat es noch nicht gebracht, aber die heiße Pfanne danach.

Musik: Nochmal Billie Holiday, die schwirrt mir jetzt abends immer noch im Kopf herum. Es ist so eindringlich, was sie singt, zumal sie ein sehr klares Englisch artikuliert, das selbst ich meistens verstehe, so entsteht auch noch die Verbindung von Text und Singen und ihre Musiker verstärken dies lustvoll. Sie hat so viele Titel gemacht und das meiste ist nicht fremdarrangiert, sondern sehr streng in ihrer Art zu musizieren

13.2.2018

Ein Intervalltraining sollte es werden, allerdings nach einem Ruhetag, vorgegeben waren 3 x 1600 m in 7 min, dazu konnte ich mich nicht aufraffen. Zumal ich das erste Mal in Tübingen bei den LAV-Senioren ins Sportinstitut auf den Platz gehen wollte, in Rottenburg gibt es gerade keine offenen Trainingszeiten im Stadion. Bin ich also zur Zeit da, es laufen so 20 Leute in verschiedenen kleinen Gruppen mehr oder weniger schnell. Nachdem ich durch Schauen zu einer Vermutung gekommen bin, wer in der LAV-Trainingsgruppe sein könnte, lief ich ran, als sie wieder vorbeikamen, fragte und war richtig. Allerdings blieb mir schnell die Luft weg, die liefen 4.20 min zum Warmwerden. Auf Fragen antwortete ich also recht einsilbig und hoffte auf das Ende dieser Disziplin, um dann im normalen Sprechrhythmus Auskunft geben zu können. Zum Glück sind Läufer zumindest in dieser Situation nicht kompliziert, so dass sich alles erklären ließ, da kam schnell raus, ich bin nicht in deren Liga und kann aber mein eigenes Tempo  mithoppeln, so wie es eben geht. Dann kamen vier Steigerungen, die liefen dann 3 x 2000m in astronomischen Zeiten, ich ging über 7 x 400 m immer dann mit auf die Strecke, wenn sie gerade durch waren. Für mich war das Ziel erreicht, ich bekam eine freundliche Einladung für Donnerstag. Ich bin dann schnell heimgefahren, hab die trockenen Sportklamotten eingepackt, um zu Siggi in den Bauchkurs zu gehen, danach gab´s Sauna, was zu futtern und jetzt sitz ich am Text und habe fertig. Musik gabs keine, logisch, wa.

14.2.2018

Soll ich Pechtag dazu sagen? Ich wollte zum Decathlon in Böblingen, mir noch paar warme Laufklamotten holen, kaum fahr ich auf die Autobahn, weiß mein Navi, dass ich im Stau steh, eine knappe Stunde für 4 km, das wäre ich sehr viel schneller gelaufen. Dann gab es alle Größen, nur nicht meine durchschnittliche. Im Parkhaus bleibt die Schranke zu, das war schon Gegenstand meiner Alpträume, nein stimmt nicht, klingt halt  gut, also, das ließ sich lösen, bzw. öffnen. Rückzu gab es einen Halt beim Bäcker, zu Hause wollte ich gleich loslaufen, das war von der Reihenfolge eindeutig blöd. Hab ich mich über die 9ner Strecke geschleppt und vor mich hingegrollt. Ok, das war nicht so schlimm, zumal ich für zu Hause sofort was zu schreiben hatte. Das steht jetzt da.
Musik: Noora Noor eine 1979 in Dubai geborene Soul- und Jazzsängerin mit norwegisch, somalischen Wurzeln. Ich hatte einen Konzertmitschnitt über YouTube geladen, sie interpretiert bekannte Titel auf ihre Art, intensiv und nachvollziehbar, auch gut, manchmal gerät sie, oder eigentlich finde ich, sie gerät zu oft in eine Kieksigkeit, die sie gar nicht nötig hätte. Das ist schade, denn wenn sie ihre Stimme ruhig und voll tönen lässt ist es sehr schön bis zauberhaft. Außerdem hat sie tolle Musiker an ihrer Seite und ihr Backgroundsänger sind auch gut.

15.2.2018

Der zweite Termin in Tübingen am Sportinstitut, diesmal im Rahmen Hochschulsport, wieder Bahnlaufen. Mein erstes, wirklich allererstes richtiges Lauftraining, in großer Gruppe, mit Warmlaufen, 5 Runden, Lauf-ABC, Steigerungsläufen und dann das eigentliche Programm, heute 3 x 2000m. Ich habe mir eine Gruppe rausgesucht, die wollten 4.15 min auf den km machen, das ist für meine Verhältnisse richtig schnell. Die erste Hälfte bin ich dran gewesen, dann musste ich ein wenig abreißen lassen, war aber trotzdem schneller als je zuvor. Je zuvor heißt, ich habe bei Tempoeinheiten bisher nur die 400 m gemacht, alles längere wollte ich nicht, ich konnte mich nicht aufraffen. So gab es heute lauter persönliche Rekorde. Hinterher noch kurz auslaufen, und eine Viertelstunde Stabilitätstraining, so improvisiert im Vorraum der Sporthalle, die Sachen kannte ich vom Training bei Siggi im Sportpark. Trotzdem war es gut, das mal direkt nach der Laufeinheit zu erledigen. Ich bin also recht zufrieden heimgegangen, zumal ich mich unter die vielen jungen und schnelleren LäuferInnen getraut hatte. Nun hab ich's auch noch hingeschrieben, muss jetzt noch für die Frühschicht morgen vorbereiten und schnell schlafen gehen.
Musik gab's heute keine.

16.2.2018

Frühschichttag, aus purer Pflichterfüllung nachmittags auf die 9er Runde gegangen, müde, und mit schweren Beinen, Muskelkater kommt von meinen gestrigen Rekordrunden. Wacker den Berg hoch gekämpft, nicht schnell, dann wieder bissle lockerer geworden auf der Ebene und zurück, die Höhenmeter abwärts wurden die Schritte weiter. Die Musik war es heute und das schöne Wetter, 8 Grad und Sonne, dazu Pharoa Sanders. Er hat so viele Platten gemacht, Konzertmitschnitte geliefert, vieles davon schon lang im Bereich legendär. Ich bin auf ihn gestoßen über ein Konzert mit John Coltrane zusammen, 1972 in Japan haben sie vorgeführt, wie man Musik dekonstruieren kann und wieder ankommt in einer Ordnung. Sie sind soweit aus dem vorgegebenen Muster raus, dass nur noch in meinem Kopf, also in ihren sicher auch, ein Zählmaß weiterlief, das machte, dass ich nicht raus fiel aus dem Chaos. Und dann fangen sie alles wieder ein. Sanders hat mit ganz vielen großartigen Musikern zusammen gespielt und sich oft auf dessen jeweiliges Weltenbild eingelassen und dann seins dazugegeben, die Mitschnitte vom Frankfurter Jazzfestival sind so, fünf Auftritte, fünf verschiedene Partner und jedes mal ist es unfassbar schön und klug und eben ganz anders als die anderen Male. Da kann ich noch lange laufen, bis ich mir das alles vertraut gemacht habe.

19.2.2018

Die vierte Woche startet mit der Anforderung, einen 30er langsam zu laufen. Ich habe drüber nachgedacht, wie ich vermeiden kann, was zu trinken mit zu nehmen. Also bin ich die ersten 22 km nach Tübingen bis zur Paul-Horn-Halle und dann über Wurmlingen zurück nach Rottenburg, Zwischenziel war zu Hause, da stand was bereit. Schnell Banane essen, Buffer trinken, Energiegel schlabbern und wieder auf die Strecke, die 9er Runde, ergibt 31 km, Ziel erreicht. Die Strecke im Wald, das waren so 4 km, war unter Schnee, vermatscht durch Fußgänger und Autos, dann wieder gefroren, es war schwierig den Berg hoch zu kommen. Oben ging es besser, das Zurückrutschen hörte auf, aber schnell werden konnte ich trotzdem nicht mehr, schließlich waren das die km an die 30 ran. Ich bin bei guter Haltung zu Hause angekommen, es war unter 3 Stunden, die Bedingungen waren schwierig, also alles gut. Morgen gibt es bestimmt Muskelkater.
Musik u. a. ein Konzertmitschnitt, Patti Smith in Montreaux. Das ist Patti in Höchstform. Sie singt mit ihrer tiefen und vollen Stimme, entwickelt eine Präsens, die über die Konserve bei mir ankommt und mich meins vergessen ließ, ich höre und laufe und manchmal denke ich, was für eine Kraft, bekomme Gänsehaut auf dem Schädeldach und Glück ins Herz, mein Atem nimmt ihre Frequenz an, bis ich's merke, weil mir die Luft fehlt.
Danach, weil die Strecke so lang war, noch Pharoa Sanders, mein MP3 speichert den nach Patti, logisch. Da ging's mir gut heute.

20.2.2018

Der Plan sah einen Ruhetag vor, den mach ich am Wochenende, da geh ich arbeiten und kann nicht laufen. Dienstag ist der Termin bei den LAV-Senioren in Tübingen, ich bin mit der Intention hin, 10 x 400m in 1.35 min zu machen, dann kam der Trainer dazu und machte die Ansage, 12 x 300m für mich in 1.10 min, den Unterschied nahm ich gelassen hin, fand, das taugt auch zur Erfüllung der Vorgabe. Ein ganz schneller ging vornweg, dann lief der Trainer, ich glaub schon, er hätte schneller gehen können, wollte aber den Hasen für mich und meine geringeren Möglichkeiten machen. Dadurch wurde der Abstand nach vorn Ansporn dranzubleiben, statt frustrierend groß. In der letzten Runde hat er dann kurz mal einen richtigen Lauf gemacht und war weit vorn. Interessant war heut, als wir anfingen warmzulaufen, war das Wasser auf der Bahn, eher eine Feuchtigkeit als Pfützen, flüssig. Mein Auto zeigte beim Herfahren 0.5 Grad an. Schon eine Viertelstunde später war alles gefroren und glitzerte und es wurde ein bisschen glatt an wenigen Stellen. Den Autoschlüssel hatte ich ins Gras neben der Bahn gelegt, der war dann festgefroren.
Musik war keine.

21.2.2018

Der Muskelkater vom Montag war angekommen, deutlich und verlangsamend. Vom Tübinger Trainer hatte ich Anweisung, heute was kleines, langsames auf Radwegen zu laufen, also nicht im Wald über Schnee. Es war war unter 0 Grad, der Wind war schneidend, aber die knapp 10 km waren nach 56 min vorbei, Ziel erreicht und Vorgaben erfüllt.
Musik wieder Pharoa Sanders, ich hab da ganz viel, auf YouTube gibt es alle seine Alben mehrmals. Heute war es Deaf Dumb Blind, da spielt er so lässig mit je einem Thema, verwäscht es immer mehr und entfernt sich, geht ins geräuschhafte Gemurmel, trotzdem weiß ich immer was er macht. Das ist so elegant, voller Spielfreude und auch witzig, ich bekenne, ich bin Fan.

22.2.2018

Hochschulsport-Laufen-Intervalle, vollständig mit freundlicher Begrüßung, Warmlaufen, lustiges Lauf-ABC, mit rückwärts Slalomlaufen durch eng aufgestellte Markierungen, da hab ich koordinativ geschwächelt, Steigerungsläufen, 10 x 400 m als Tempoläufe, unsere Gruppe hat 8 x 400 m geschafft in 1.35 min, alle 8 Runden +- 3sec in dieser Zeit, dann auslaufen und rein in die Halle zum Stabilitätstraining, eine Viertelstunde.
Es hat Spaß gemacht, das ist Klasse, im letzten Jahr war ich, wenn, dann allein auf der Bahn und fand das demotivierend, so Tempo machen zu sollen, bei diesem Termin ist immer jemand schneller, ich kann mich anhängen, oder heute bin ich sogar paar mal vor meiner Gruppe gelaufen, hab sie schnaufen hören und wollte, dass das hinter mir bleibt, ist auch ein Antrieb. Außerdem sehen LäuferInnen schön aus, sind freundlich untereinander, was für ein schöner Ausschnitt der Welt.

25.2.2018

Dies ist ein Nachtrag: Am Samstag war ich laufen, hatte aber keine Zeit zum texten. Da hab ich den Wochenplan vollgemacht, ein Zehner auf Radwegen. Es war ein garstiger Wind, der sich, kam er von vorn, in alle offenen Stellen hineinbohrte, Ärmellöcher, Kragen, Nasen- und Ohrenlöcher. Als ich wieder zuhause war, bin ich gleich in die Wanne reingezittert, da war alles wieder gut. Vom Blumenfenster rieselten ein paar Orchideenblüten ins Wasser, so dass ich mir vorkommen konnte wie im Paradies. Dann musste ich mich beeilen, hatte Spätschicht, heute wieder, nun das hier und schon isses fertig.
Musik: John Zorn ein Stück aus seinem Masada-Projekt, da hab ich noch ganz viel und stell es beim nächsten Mal vor

26.2.2018

Von Osten kam der Wind, und zwar mit Schmackes, als ich loslief, hat es mir auf dem ersten km über freies Feld das Gesicht, das war nicht zugewickelt, förmlich mit 10 Grad minus zersägt. Ich wollte noch 10 km in diese Richtung laufen, das hab ich dann abgebrochen, ich wollte den 30er Lauf machen, auch das ist anders gekommen. Ich bin einfach umgekehrt, aus dem Wind gedreht, und hab dann hier in Heimatnähe mit Müh und Not knapp 8 km zusammengekriegt, da kribbelten schon die Finger, auch in den Wald konnte ich nicht, dem Wind ausweichen, die Wege waren mit einer böckelharten Eispackung spiegelblank gefroren. Na gut, bin ich wieder heim, war schnell fertig, hab mich an meiner Heizung sehr gefreut, und geh heut abend in den Sportpark noch bissle schwitzen.
Musik wieder ein Konzert mit John Zorn. Er ist amerikanischer Saxophonist und Klarinettist und Bandleader und Inhaber eines Plattenlabels. Das spricht von einem fleißigen Mann. Außerdem hat er 1993 mit dem Masada-Projekt begonnen, der Name bezieht sich auf die historische Masadafestung, die als uneinnehmbar galt und dann im Jahre 73 doch erobert wurde. Die jüdischen Verteidiger haben sich selbst entleibt, als die Niederlage absehbar war, lieber tot als unfrei sein war der für uns heute kaum nachvollziehbare Wahlspruch.
Zorn wiederum nimmt in verschiedenen Zusammenspielprojekten Stellung zu jüdischer Herkunft und Vergangenheit, das hört man in seiner Musik, die außerdem Elemente aus Jazz und Rock zur einem komplexen und anspruchsvollen Gefüge vermengt, jeweils mit überraschenden Klangfarben und Rhythmuslösungen, für mich sehr interessant. Das Projekt läuft immer weiter, ist von vornherein auf eine aberwitzige Anzahl von Stücken ausgelegt, ein Besessener, der seine Sache versteht. Unter Wikipedia findet man einen guten Text und Links zu weiteren Infos.

27.2.2018

Mein Auto zeigte auf der Heimfahrt vom Tübinger Sportinstitut -10 Grad an, das war die Erklärung für das sehr frostige Gefühl beim heutigen Intervalltraining. Zum Glück ging kein Wind. Die richtigen Läufer aus der Dienstagsgruppe wollten 2 oder 3 mal gemäßigte 3 km laufen, ich hab nachgefragt, es bedeutete 3.50 min/km. Da hab ich meinen Plan benutzt, da standen 7 mal 800 m in 3.30 min. Ich bin mit der Gruppe los, der Abstand wurde lang und länger, trotzdem hab ich 3.15 bis 3.25 min geschafft. Allerdings haben die anderen nach 2 mal 3 km aufgehört, da war ich noch in der 6. Runde und hab's auch gut sein lassen. Noch paar Runden auslaufen und dann ins Auto und die Sitzheizung als einen Segen empfunden. Zu Hause schnell duschen, neue Klamotten und ab zu Siggi und dem Bauchkurs, hinterher noch kurz den Rücken mit einem Trainingsreiz versehen und ab in die Sauna. Das war das Beste heute, zumal es noch einen Aufguss gab.

1.3.2018

Hochschulsport in Tübingen, nicht mehr so grimmig kalt, noch nicht gemütlich. Nach dem Warmlaufen, 8 Runden, ein lustiges Lauf-ABC mit Slalom und Hüpferfolgen durch viele Hütchen, eine ging so: 3 mal links, 3 mal rechts, ein beidbeiniger Hüpfer, immer je zwei Bodenkontakte zwischen den Hütchen. Koordinative Überforderung, nicht nur bei mir, ich war so konzentriert, konnte nicht mal schauen, ob die anderen das gut können, aber ích habe die Hütchen knacken gehört, wenn wieder jemand einen erwischt hat. Beim Zurücklaufen sah ich dann die Schäden. Hauptprogramm war je nach Wahl 3000 oder 5000 m mit Einlagen. Auf der ersten Geraden sollten wir rückwärts laufen, auf der zweiten schnell. Ich hab dann 8 oder 9 Runden geschafft, dann hatte ich keine Lust mehr auf rückwärts, und es gab noch Stabitraining und Auslaufrunden. Bin ich zufrieden heim gefahren, duschen und aufwärmen, Frühschicht vorbereiten, was am Rechner schreiben, ja, das hier, und ab in die Kiste.

2.3.2018

Der Frost war zu Ende, ein Grad über Null. Nach der Frühschicht bin ich gleich auf die Strecke, hab geliebäugelt mit der 18er Runde und mir immer offen gelassen, irgendwo eher umzudrehen, wenn es schwer geht. Zumal ich noch Muskelkater dabei hatte, irgendwas vom Joga gestern oder dem Rückwärtslaufen, oder was weiß denn ich. Dann sah ich unterwegs einen weißen Reiher sich auf dem Feld räkeln, vielleicht war das Reiherjoga, ein Grund zur Freude. Als ich die Hälfte der Strecke hatte, musste ich ja wieder zurück, und schon war die Diskussion zu Ende, eher abzubrechen, erst da fing es an zu schneien.
Musik war Billie Holiday, ich wollte was Schönes, nicht anstrengendes, es war eine gute Wahl.

5.3.2018

Es graust mir immer ein wenig vor dem Wochenplanpunkt lange Strecke, soll heißen, ich hab Respekt davor, weiß immer nicht, schaff ich das, auch erleb ich mich im Kopf alle möglichen Kapriolen anstellend, wie man denn drumrum kommen könnte. So war es auch heute. Erst hab ich am Haushalt paar Sachen geruckelt, Bett beziehen, Bude putzen, Blumen gießen und Wäsche waschen, dann rief das Töchterchen an, ein bisschen plauschen, das muss auch sein, dann bin ich aber los. Hatte aufgetankt mit einem Starterdrink und Banane, die Sonne schien, es war nicht mehr kalt. Die Vorstellung, Tübingen, die Paul-Horn-Halle, 11 km, sei das erste Drittel, fand ich beeindruckend, aber dann hatte ich nach zwei Stunden mein zu Hause erreicht zum Auftanken, Trinken, Energiegel, Banane, 3 min Pause waren das. Die letzten 12 km, es ging bergauf los, es ging schwer los, wurden zum Spaß, als ich oben war, noch die restlichen km erst bergab, dann mit Rückenwind und guter Laune. Und dem Bewusstsein, diese Woche war das Schwerste schon geschafft.
Musik: Ich hatte Pharoa Sanders schon erwähnt, diesmal hatte ich zwei Ausschnitte aus einem Konzert beim Frankfurter Jazzfestival, mit Foday Musa Suso, das ist ein Koraspieler, 1950 in Gambia geboren, in den 70ern in die USA eingewandert, da eine Band gegründet und mit vielen großen Jazz-Musikern zusammengespielt, u. a. Herbie Hancock, Don Cherry. Was die beiden da machen, wirkt so einfach wie ein Mandala, wie sie drin umgehen und Varianten vorzeigen und miteinander entwickeln, das ist bestechend schön und zwingend logisch. Ich höre zu und laufe weiter und vergesse, dass ich laufe. Bei diesem Auftritt müsste Sanders schon um die 80 Jahre alt sein, was man hört, ist Perfektion. Mir ist beim Hören, als wäre ich das Kaninchen vor der Schlange, in diesem Moment gibt es nichts weiter auf der Welt.
Später andere Musik, ich war drei Stunden dabei, kleiner Höhepunkt: ein Waldbaumläufer ganz nahe.

6.3.2018

Der Tag nach dem langen Lauf, da sind die Beine nicht ganz frisch. Für Tempoläufe und Intervalltraining keine vorzüglichen Voraussetzungen. Da fehlt mir dann das Wochenende, um das vernünftiger einzurichten, aber da muss ich halt arbeiten und zwar so lange, das es samstags und sonntags nicht zum Laufen reicht. Also gut, der Trainer war kurz da, hat das Programm durchgesagt, wir sollten nach den Einlaufrunden eine Treppe laufen: 600, 800, 1000, 1200, 1000, 800, 600 m.  Hab ich mich an die schnelle Truppe angehängt, soll heißen, bin mit gestartet und hab den Abstand schnell groß werden sehen. Dies ist komisches Deutsch, also, ich wollte sagen, der Abstand wurde ziemlich markant. Das macht aber nichts, trotzdem macht das Hinterherhoppeln meine Zeiten besser, als wenn ich für mich allein laufen würde. Dabei leide ich nicht sonderlich drunter, auffällig Langsamster zu sein, eigentlich freue ich mich an der schönen Möglichkeit, Bahn zu haben, Schnellläufer vornweg zu haben und ein Trainingsprogramm zu haben. Nach dem Auslaufen wieder wie vorige Woche, schnell heimfahren, umziehen und zu Siggi in den Bauchkurs. Heute fand ich die Beine so matschig, dass es mich sehr angestrengt hat, danach gab es Sauna und zu Hause ein schönes Abendessen, mit einem wundervollen Schafskäse.

6.3.2018

Immer noch vom Montag, dazu neu von gestern eine Restschlaffheit, deswegen nur die kurze 9er Runde. Im Wald sind fast alle Wege komplett eisfrei, das wenige Resteis ist weich und nicht rutschig. Ich fange an umher zu schauen, nach dem Seidelbast zu suchen, einen blühenden Huflattich hab ich schon gesehen. Heute der Höhepunkt: Drei Rehe kreuzen meinen Weg in ca 30 m Entfernung, sie haben mich nicht wahrgenommen und dadurch ganz gemütlich getan. Da hab ich mir eine kleine Pause gegönnt und genau hin geschaut.
Musik; Sinead O Connor, ein Konzertmitschnitt, sie singt und musiziert mit ihrer Band sehr professionell, auf einem guten Niveau, ihre Titel gefallen mir. Auf Wiki gibt es einen Eintrag, ein ausführlicher Lebenslauf, alles sehr widersprüchlich und kompliziert und komplex, dass ich mich frage, wie konnte sie das alles schaffen und noch so viel und gute Musik liefern.
Am Nachmittag traf ich mich mit meiner Kunstfreundin Judith in Reutlingen, im Kunstverein gab es Bilder von Tamina Amadyar, einer jungen Afghanin, 1989 geboren in Kabul, seit 1994 in Deutschland lebend. Warum eine so junge Malerin zu so klaren und starken Bildlösungen kommt, ist mir noch ein Rätsel. Sie hat in Kunstakademie Düsseldorf studiert, das muss aber noch nichts heißen. Meine stille Vermutung: Mit so einer Biographie und Herkunft wird Kunst zur existenziellen Lebensäußerung, weit entfernt von dem Anliegen, ein paar schöne Bilder zu machen. Es ist schon eine Weile her, dass mich jemand so vollständig beeindruckt hat. Da such ich mir im web noch mehr Bilder von ihr.

10.3.2018

Ich musste mehr arbeiten als sonst, den Donnerstag, da hab ich das Intervalltraining verpasst und  war dafür vormittags im Studio was trainieren, am Freitag hatte ich Spätschicht und war früh zum Joga, danach musste ich den Einkauf regeln. Am Samstag also ein Läufchen, die 9er Runde vorm Arbeiten. Ein Punkt vom Wochenplan blieb offen, das wäre ein Halbmarathon im Wettkampfbetrieb gewesen. Da geh ich mal großzügig mit mir um und schau auf die nächste Woche.
Das Wetter war nicht bezirzend, Regen, aber warm. Also los, mit Nina Simone im Ohr war das die pure Freude. Ich mag ihre Musik sehr, diese Stimme kann alle Gefühle und Stimmungen ausdrücken, sie hat Energie, dazu kommt ihr präzises und fantasievolles Klavierspiel. Ich hab vor kurzem eine Biographe über sie gelesen, da konnte man nachvollziehen, wie sie sich gerieben hat an der Welt. Ihr großes Thema war Diskriminierung, von Schwarzen, von Frauen, da war sie sehr sensibel, in den Reaktionen zum Teil sehr lautstark, das hat man ihr übel genommen, darunter hat sie dann wieder gelitten. An der Stelle blieb das Unglück ihr treu.

12.3.2018

Es wäre der Tag für den langen Lauf gewesen. Das Wetter hätte auch gepasst. Jedoch, seit gestern habe ich einen Wasserschaden zu Hause. Der Eingangsbereich der Wohnung ist ruiniert, zerfeuchtet, die Tapete fällt von der Wand, überall sind gelbe Schlieren in frisch gemalerten Zimmern, der Fußboden und die Tür, das muss man sehen, was draus wird. Das macht, dass ich mich nicht gut konzentrieren kann. Komm ich da lang, rattert der Kopf, wie dies und wie das gehen könnte, und ich vergesse, was ich gerade wollte. Dem zu entkommen bin ich vormittags zum Joga gegangen. Nachmittags hatte ich dann ein wundes Gewissen, da ich nicht laufen war und hab es nicht ausgehalten, bin wenigstens auf eine kurze Runde los. 9 km flach und flott, ein schöner 5 min Schnitt. Die Sonne, gegen 18.00 Uhr schon tief, als Gegenlicht aufregend. Die schönste Szene war ein Spatz im Busch flatternd, schwarze Silhouette vor dem Strahlelicht.
Abends war ich im Studio zum functional training, mein Kollege hat da angefangen, ich wollte mal mit ihm schwitzen.
Musik: Youssou N'Dour, ein 1959 geborener Sänger, Komponist und Minister für Kultur und Tourismus im Senegal. Das ist eine lustige Fügung, wer mehr wissen will, schaue zu Wikipedia. Ich hatte ein Konzert in Montreal von YouTube, er hat schöne Musik, und mir gefällt eine seiner Backgroundsängerinen, sie singt mit ihrer tiefen mütterlichen Stimme interessanter als er, die wenigen Verszeilen, die sie allein singt, sind hinreißend performt.
Morgen soll ein Schadensgutachter kommen, dann müsste auch mein Kopf wieder besser funktionieren.

13.3.2018

Lauftermin in Tübingen am Sportinstitut. Entspanntes Einlaufen. Der Trainer spricht: So ganz gefällt ihm mein Trainingsplan nicht. Er will, dass ausgeruht trainiert wird, nicht in Belastungsmüdigkeiten hinein. Zumindest hat er mein Dilemma wahrgenommen, an vier freien Tagen fünf Laufeinheiten zu absolvieren. Der Rhythmus ist Mist, aber nicht zu ändern. Trotzdem hör ich ihm gut zu, um was herauszubekommen, was ich besser machen könnte.
Nach den Steigerungsläufen war das Programm für mich 5 mal 1000m in 4.15 min. Der Trainer lief es vor, ich kann das Tempo noch nicht so präzise einstellen. Ok, in den ersten 1000m waren wir bissle schneller, so dass für mich wieder ein Rekord raus kam. Dann blieben wir genau im Zeitrahmen, ich fand das Klasse, da ich allein nicht so klar komme. Nach dem Auslaufen, sehr sparsam, ging es zufrieden nach Hause und weiter zu Siggi zum Bauchkurs. Danach zur Belohnung Sauna, war gut.
Der Schadensgutachter war da, siehe Bericht von gestern, hat einen großen Schaden aufgenommen, jetzt geht der Bericht zur Versicherung, und dann kann es ans Sanieren gehen, fängt mit dem Trocknen an, zwei Wochen sind geplant. Ich bin gespannt, wie meine etwas schwachen Nerven hinterher aussehen, vielleicht brauche ich dann eine Sanierung.

14.3.2018

Heute sollte ich den Text hier mit einer Geheimtinte schreiben, weil sich herausstellte, der Trainer liest manchmal was mit, und wenn ihm das hier vor die Augen kommt, wird er wieder bissle mit mir schimpfen. Wo er mir grad gestern erklärt hat, ... Ich hab den langen Lauf, der montags ausfiel, durchgezogen, es waren 33,31 km mit der Pause zu Hause nach 22 km zum Essen und Trinken. Bei schönster Sonne und mit leiser Restmüdigkeit von gestern ging es langsam los und am Anfang entfaltete die Ansprache des Trainers im Zusammenhang mit dem Wissen um den fehlenden Ruhetag seine Wirkung und ward zur Anfechtung, abzukürzen. Soll ich sagen, wie Jesus in der Wüste hab ich den Teufel fortgeschickt und bin trotzig und stur weiter und weiter, hab alle Abkürzungen links liegen gelassen und hab es sogar geschafft, das letzte Drittel nach der Trinkpause durchzuziehen. Die Erschöpfung hinterher war markant, jedoch wäre sie wohl auch aufgetreten, wäre ich ausgeruht gewesen. Nach dem Duschen ging's zum Nudelessen und gleich weiter zum Käskuchen. Mit dieser Ziel-erreicht-Mattigkeit und Sattheit sitze ich jetzt hier am Rechner bis zum letzten Punkt.
Musik: Von Antonin Dvorak Stabat Mater, nach einem mittelalterlichen Gedicht, in dem Maria ihren Schmerz um den gekreuzigten Sohn besingt. Das ist voller Schönheit und Trauer, aber auch Zuversicht nach vorn, es erreicht mich und geht mir zu meinem ungläubigen Herzen. In Wikipedia kann man sich gut informieren, ich hab eine Aufführung mit Harnoncourt.

15.3.2018

Was soll da rauskommen, unter Zeitdruck und der Anfechtung eines früh, sehr früh klingelnden Weckers, kann man da einen lesbaren Text erwarten? Es gab schon Tage, da hat es geklappt, heute wird das nichts. Ich war in Tübingen zum Hochschulsport, das Programm war gut, ausführlich, die vielen LäuferInnen zumeist jung und immer gut drauf, der Trainer mit einem lustigen Lauf-ABC, dann 3 mal 2000m, alle 3 geschafft in 9.05 min, hinterher Stabitraining. Heute machte das Laufen mehr Spaß als das Schreiben, drum endet das hier, Michel geht schlafen.

19.3.2018

Drei Tage nicht gelaufen, dafür gearbeitet. Am Freitag nach der Frühschicht hätte ich laufen können, bin aber gänzlich ohne Elan rumgehangen, bis es zu spät war. Dann, aus lauter Reue war ich im Sportpark und hab den 100er-Pack gemacht, Liegestütze, SitUps, Kniebeuge mit dem 15kg-Sack, BoxJumps, jeweils 100 sortenrein, dazu 40 Klimmzüge, so schnell es geht.
Heute laut Plan 40 min ruhig, ich bin 63 min zwischen ruhig und zügig gelaufen, 12,3 km waren es am Ende. Dass es wieder so kalt geworden ist, gefällt mir nicht, ich würde es auch reklamieren, wenn ich wüsste, wo. Hab ich halt die Mütze und die Handschuhe benutzt, bissle vor mich hin geschimpft, und dann war es trotzdem gut. Es waren viele Läufer auf der Strecke.
Musik: Emily
Sandé, ein Konzert in der Royal Albert Hall von 2013. Sie singt zumeist selbst geschriebene Titel, es ist melodiöser Soulpop. Außerdem hat sie kluge Texte. da hab ich eine große Freude dran, höre das schon länger immer wieder mal, und es sind immer wieder die selben Stellen, die mich besonders erreichen, ich finde, es geht mich was an, was sie singt. Ihre Stimme ist gut, sie singt völlig unangestrengt, obwohl es Kraft hat.

20.3.2018

Dienstag, es geht auf die Bahn nach Tübingen, Seniorentag, Training mit Läufern, die alle viel schneller sind. Irgendwas muss mit mir passiert sein in der letzten Zeit, ich habe es nicht bemerkt, aber erlebe das Ergebnis. Ich muss mich überhaupt nicht klein machen, mich schämen, dass ich so viel langsamer bin als alle anderen. Noch vor Zeiten hätte ich diese Situation vermieden, irgendwo aufzutreten und von allen der Schlechteste zu sein. Und nun? Es scheint mir gar nichts auszumachen. Im Gegenteil, ich gehe da gern hin, weil ich ein Gefühl entwickeln kann für die Möglichkeiten, die auch in mir noch stecken könnten. Dazu kommt, Läufer sind nette Menschen, so erlebe ich das.
Nach dem Einlaufen und den Steigerungen waren 10 mal 300 m angesetzt, in 1.05 min, so war die Vorgabe. Die ersten sechs oder sieben Läufe war ich drin, die anderen landeten eher bei 1 min und drunter. Die Pause war dann 100 m gehen, da ich später da war, fand ich die Pause kurz, schon ging es wieder los. Scheiß 300 m können hintenraus lang werden, bei den letzten Runden war das deutlich, ich wurde dann auch 5 sec langsamer, die dann wieder von der kurzen Pause abgingen. Aber dann war es geschafft, und ich merkte, das waren wieder persönliche Rekorde. Da geh ich dann stolz heim, da ist es aber noch nicht fertig. Umziehen, und schnell in den Sportpark, Siggi und der Bauchkurs. Deutlich zu spüren, dass in den Oberschenkeln ziemlich Flaute war, bin froh, dass ich schon so lang in diese Kurse gehe, da reicht es irgendwie über die Zeit. Zur Belohnung ein Saunagang und ein wunderbarer Ziegenkäs zu Hause.

21.3.2018

Knapp Zeit haben zum Laufen, das gefällt mir nicht, heut war es so. Ich hatte einen Termin an der Uni Tübingen im Studio Literatur und Theater, um abzufragen, ob ich mit meinem Vorhaben da unterkomme, und siehe da, es könnte klappen. Wenn ich als Gasthörer ins Limit passe, also nicht zuviel studentische Konkurrenzschreiber mich verdrängen, sieht es gut aus. Dann bin ich heimgefahren, wusste um den nächsten Termin, wieder ein Gutachter wegen des Wasserschadens, und bin schnurstracks auf die 9er Strecke los. Mein Handy hat versagt oder runtastic, dadurch hab ich weder Zeit noch Strecke erfasst, egal, ich bin ja trotzdem gelaufen, nur in der Statistik wird der Tag fehlen, dafür steht hier was drüber. Noch ein paar Jahre weiter, stell ich mir vor, wird die Realität, die nicht virtuell darstellbar ist nicht stattgefunden haben.
Musik: ein Konzertmitschnitt Angus & Julia Stone, die kamen hier schon vor in der Auflistung. Es ist so schmeichelzarter, gut arrangierter und bewusst performter Pop, ich kann es konsumieren wie warmen Apfelstrudel. Nicht anstrengend, wohltuend, heute genau richtig für mein unruhiges Gemüt.

22.3.2018

Es schneite. Unterschiedlich große Flocken landeten beim Warmlaufen auf der Brille, die größten waren schon sichtbehindernd, aber nur kurz, dann blieb ein kleines Tröpfchen übrig. Hatte ich 8 Runden Zeit, dem Fallen zuzuschauen, zumal sich durch Windrichtung und Rundenlaufen mein IndenFlockensein ständig veränderte. Mal lief ich in sie rein, mal kamen sie mit mir mit. Außerdem fragte ich mich, wie die großen Flocken sich bildeten, kam da Einzelkristall ans andere und noch eins und noch eins, oder verhakten sich Kristallhaufen miteinander und ergaben die ganz großen Flocken, ich vermute hier so vor mich hin, man müsste, um es herauszubekommen, ein paar Kristalle am Anfang des Fallens mit kleinen Kameras bestücken, die dann Daten liefern könnten. Bestimmt ist das längst erforscht und mein Nachdenken an dieser Stelle ist nutzlos, trotzdem hat mich die Fragestellung erheitert und ich vergaß die Wetterungemütlichkeit. Nach dem Einlaufen, es schneite weiter, ging es ans Lauf-ABC, da musste ich mich bissle konzentrieren, damit ich niemandem auf die Haxen dappe, und an die Steigerungen. Programm war heute 1000m, 2000m, 2000m, 1000m, jeweils 200m Pause nach den 1000m und 300m Pause nach den 2000m, die Pausen 100m bzw. 200m Gehpause und 100m ranlaufen in den Neustart. Schien kompliziert, es gab viele Nachfragen, zumal sich auf der 400m Runde die Startpunkte ändern. Aber ich fand ein Grüppchen in mir angemessenem Tempo, und da hatten es alle auf Anhieb kapiert. Danach wieder Stabilitätstraining und heiter nach Hause, denn die gelaufenen Zeiten waren in Ordnung. Soll ich sie hinschreiben. Also gut, für mich: 1000m in 4.18 min. 2000m in 8.50 min. Wieder lauter gefühlte Weltrekorde.

23.3.2018

Mein Handy hat mich heut belogen. Es gab mir Auskunft übers Wetter, kein Regen sollte es sein, unterwegs sah ich von weitem, wo ich da reinlaufe. Richtige Regenstreifen über Tübingen, da wollte ich hin. So richtig schlimm wurde es dann nicht, es hörte bald wieder auf. War das nach gestrigem Schnee ein Frühlingsregen?
Ich hatte mir die 32er Runde vorgenommen, es ging gut los, ich konnte mich immer wieder selbst ermahnen, nicht langsamer zu werden, so schaffte ich die ersten 22 km passabel. Dann war es mühsam, bergauf sowieso, aber die letzen km waren freudlos, eher erkämpft. Warum? Ich hatte vormittags die Handwerker am Wasserschaden, die waren zeitig angekündigt, da bin ich entsprechend früh aufgestanden, dann kamen sie später. Und hinterließen eine Baustelle, an der ich eine Weile gebraucht habe, um mein HierWohnen zu regeln. Dann bin ich erst gegen eins losgekommen und unterwegs hatte ich einen Hungerast, so hieß das früher bei den Radfahrern. Der Saft war alle, die Kraft war weg. Nun gut, ich hab mich wacker durchgekämpft, es sind knapp 31 km geworden, die Zeit ging noch, nächste Woche dann auf ein Neues.
Musik: Zwei Mitschnitte von Konzerten mit Wynton Marsalis und seiner Band. Marsalis wird immerzu vorgeworfen, er ignoriere die Entwicklung des Jazz ab 1980, er bliebe bei seinen Standards und imitiere andere. Ich erlebe ihn in diesem Bereich als so unglaublich guten Musiker und Bandleader, es ist eine von anderen völlig unerreichte Qualität, zu der auch seine Mitspieler finden, dass ich damit hochbeglückt bin und denke, an der Erneuerung und Entwicklung müssen dann andere arbeiten und tun das auch.

26.3.2018

50 min ruhig, so sollte die Woche starten. Es ging ein wenig länger, weil ich Lust auf diese Strecke hatte, ich wollte nach Schlüsselblumen schauen und mich dran freuen. Nach jedem Gelb hab ich geschaut, es war immer Huflattich, auch nicht schlecht, das Gelb ist anders schön, aber erst ganz zum Ende des Waldstückes fand ich frisch erblühten Himmelschlüssel, noch mehr grün als gelb, aber vorhanden. Als Belohnung für das geduldige Suchen, so empfand ich es, gab es zehn Meter weiter einen wundervoll violetten Seidelbast. Das Maß an Glück war gefüllt, im weiteren Tag kam noch Käsekuchen dazu und Sauna ist in Aussicht.
Die km-Zeit sieht mickrig aus, da waren aber 250 Höhenmeter dabei, dann geht es wieder.
Zu Hause hab ich seit heut morgen Sturm, die Trocknung für den Wasserschaden wurde aufgebaut. Es ist wirklich windig und bläst mich an auf jedem Weg durch Flur und Küche, und es ist laut. Das soll 10 bis 14 Tage so gehen, nachts kann ich es abstellen, wenn ich schlafen will. Der Temperatursensor meiner Heizung liegt im Windstrom und bekommt von da das Signal, es ist warm genug, dadurch wird es im leiseren Teil der Wohnung langsam kühl. Ich muss lachen, wie so ein Malheur das nächste verursacht. Wenn ich heute Nacht schlafe, wird die Hütte warm werden. Jetzt hoffe ich auf Frühling, geringere Temperaturkontraste, den ersten Tag hab ich fast geschafft.
Musik: Wynton Marsalis mit seinem Septett, er hat da ziemlich viele Alben eingespielt, ich hab was aus dem Web ohne Angaben, wann, was, egal. Es sind sieben Konzerte, heute eins, voller Spielfreude, perfekt auf den Punkt gebrachte Standards, schöner kann man es kaum bringen. Also noch ein Quentchen Glück obendrauf.

27.3.2018

Bahntraining. Geht immer los mit Warmlaufen, es fühlte sich frühlingsmild, 11 Grad warm, an. Ist mir eine Fliege, die erste dieses Jahres, in den Hals geflogen, ich brachte sie nicht mehr raus. Hab ich sie halt geschluckt. Ob ihr das bekommt? Gefallen dürfte es ihr nicht, ich stelle mir vor: dunkel, ziemlich warm und miefig, eng. Wie lange sie das wohl mit macht. Morgen hab ich es vergessen, sie weiß ja heute schon nicht, was ihr widerfahren ist, vermute ich. Gut. Paar Steigerungen, dann eine raffinierte Treppe, die ging so: 600m, 800m, 1000m, 600m, 800m, 1000m, dazwischen je 400m Pause, die ersten 100m davon gehend, 300m langsam laufend. Der Trainer gab das Tempo vor, was ein Glück ist, ich wäre viel schneller los gelaufen und dann eingebrochen, so kamen anständige Zeiten raus, und ich konnte alles mit laufen. Das Ergebnis wie schon oft auf der Bahn und mit dieser konkreten Betreuung: Ich ging stolz vom Platz, fuhr zufrieden heim, ging weiter zu Siggi in den Bauchkurs und hab mich wacker durchgekämpft. Heute war an entscheidender Stelle ein Muskelkater von gestern, da war ich im functional-training, davor hatte ich mich noch am Bauch gequält, vielleicht keine taktische Meisterleistung, aber jetzt ist es ja rum und gut gegangen. Bei mir zu Hause bläst es so wie gestern laut und windig vor sich hin, ich habe Tag 2 der Trocknerei überstanden.

29.3.2018

Gestern hab ich Ruhetag gemacht, ohne Grund, im Plan gibt es schon so was, aber bisher hab ich das als Arbeitstag gesetzt. War auch mal schön, abends bin ich doch ins Studio auf ein kleines Krafttraining. Heute war fast wie Ruhetag, es ging erst auf 18.00 Uhr nach Tübingen zum Hochschulsport. Hauptprogramm war 6 mal bis 10 mal 400 m. In unserer Gruppe haben wir 8 Runden gedreht, die Zeit war nicht riesig, war mir aber grad recht, da ich morgen einen langen Lauf plane, da sind die Beine nicht so schwer.
Außerdem ist der 4. Tag des Trocknergeblases in meiner Behausung überstanden, und ich habe ein neues Buch angefangen: Guntram Vesper - Frohburg. Er ist Preisträger der Leipziger Buchmesse vor zwei Jahren und die Dozentin vom Literaturstudio hat ihn mir empfohlen. Er benutzt kaum Absätze, schreibt ungewöhnliche Sätze, es hakt beim Lesen widerständig, aber es sind hochpräzise Bildsetzungen aus dem Lebenszeitraum seiner Eltern ab 1930, ich hab erst 40 Seiten, bis heute.
Ein weiteres Ereignis kommt mir erwähnenswert vor, das ist jetzt sehr subjektiv. Ich war heute das erste Mal seit Kindertagen bei einem Friseur. Nun steht es hier so läppisch da, aber der Prozess des SichEntschließens und des SichAufmachens war langwierig. Die letzten 20 Jahre nahm ich den Rasierer vor, wenn mein dünnes Resthaar den Bewuchs parodistisch mimte. Das Problem entsteht bei diesem Verfahren zuerst über den Ohren, wo so Pinsel nach außen abragen, bissle wie bei der Schleiereule, der steht es besser als mir. Hab ich so ganz langsam über eine alternative Lösung zum radikalen Kahlschlag nachgedacht und bin durch das Beobachten anderer Köpfe mit richtigen Frisuren draufgestoßen, dass es da Möglichkeiten gibt. Im weiteren Verlauf bin ich an Friseurläden vorbeigekommen, hab reingeschaut und konnte sehen, was da vorgeht. Ab da musste ich mich bereitmachen, es aushalten zu können, dass, wenn ich da drin sitze, andere hineinschauen könnten. Die nächste Frage war, kann ich da einfach so reinlatschen, oder brauche ich einen Termin. Dieser komplexe Prozess kam heute zu einer Auflösung, ich hab mich getraut, kam nach kurzem Warten dran, während dem ich dem Haarkünstler schon zusehen konnte, erlebte einen perfekt frisierten, wirklich gut aussehenden jungen Mann, der völlig zufrieden aufstand, kam selber dran, und es geschah die Dynamisierung meines vernachlässigt bewachsenen Kopfes an Haar und Bart. Ging gut duftend heim. Bin  unter Menschen gewesen und empfand die Reaktionen auf mich unauffällig, kam zu dem Schluss, dass da nix Schlimmes passiert ist. Da waren anscheinend mancherlei Bedenken unnötig.

30.3.2018

Ein langer Lauf, so 35 km, war geplant, und dann hat mir die Realität dazwischengefunkt. Ein Achillessehnenproblem meldete nachdrücklich den Wunsch nach Beachtung an, eine Erkältung, die letzten Tage genauso ignoriert wie die Ferse, wurde zu Schlappheit und Gliederschmerz. Ich bin los auf die 20km-Strecke, mit guten Vorsätzen, und musste mit meiner körperlichen Begrenztheit klarkommen. Es ging langsam und tat weh. Nachdem ich mich heimgeschlichen hatte, ließ ich es gut sein, nach dem Duschen und einer Mittagspfanne hab ich mich auf dem Sofa langgemacht. Da tat es immer noch weh. Ich will noch nicht über den Termin Marathon nachdenken, und wie es gehen soll. Morgen ist Ruhetag, am Sonntag, tja, mal sehen.
Musik: Orphee, die vorletzte CD von Johann Johannsson, isländischer Komponist und Keyborder und Filmemacher, geb. 1969, 2018 gest.. Seine Filmmusiken, soweit ich sie kenne, finde ich nicht aufregend, aber hier bringt er konventionelles und digitales Musizieren überzeugend zusammen, interessante Klangfarben und geschichtsträchtige Zitate mischen sich und machen mich ganz aufmerksam und neugierig. Ich höre es schon seit einem Jahr immer wieder und ich höre es gern, es wird nicht langweilig, die Setzungen sind wunderbar genau.
Leider ist er recht jung verstorben ...

1.4.2018

Der Plan läuft. Unerbittlich weiter. Ich nicht. Heute wäre ich gern eine Runde auf dem Sand in Tübingen mitgelaufen, in guter Gesellschaft, jedoch, mir ist ein Keim eingefahren, dass ich wirklich platt bin. So was hab ich sonst nicht, hab nicht damit gerechnet, im Plan steht nichts davon. Sitz ich zu Hause, nicht mal Lesen geht lange. Im Kopf herrscht außer dem Erkältungsweh Rebellion, ich bin nicht einverstanden. Dafür soll gefälligst der Fuß, die Achillessehne Ruhe geben, die wird demnächst merkmalslos funktionieren, so stelle ich mir das vor.
So, genug gescholten, ich lerne grad, mit mir umzugehen, wenn ich unleidlich bin. Ist nicht wie Laufen, aber Entwicklungspotential ist vorhanden. Und Musik kann ich auch sitzend, hüstelnd und schniefend hören.

6.4.2018

Die Lücke zum letzten Text, lang, kein gutes Zeichen. Die Erkältung immer noch so, dass ich nicht laufen möchte, das Fußgelenk, ich weiß noch nicht. Im Kopf habe ich den Montag als Startversuch mit einem kurzen Läufchen, wenn das funktionierte, wäre ich ein Stück weit getröstet. Den großen Lauf am 22.April kann ich mir  nicht vorstellen, hab ihn im Kopf abgesagt und beschlossen, trotzdem auf den Darß zu fahren und eben vier Tage Urlaub einzuschieben.
Ich werde mich dranmachen, dies unvorhergesehene Ende dieser Geschichte in meinem Kopf klarzukriegen. Da ich bisher die meiste Zeit allein trainiert habe, stellt sich das Gefühl von Versagen ein, ich hatte ein Ziel und hab es nicht erreicht. Der Körper zu schlapp, zu alt, Erkältung, banaler Mist, ein Gelenk tut nicht, was soll das sein. Zu meinem großen Glück war ich abschnittweise mit anderen Läufern unterwegs und hab zugehört, da war oft die Rede von Verletzungen, abgesagten Wettkampfläufen und Laufpausen durch Grippe und Erkältung. Bisher hatte ich den Eindruck, mich trifft es nicht, ging ja lange gut, so dass es zu diesem Gefühl kommen konnte. Jetzt also ich. Ab hier habe ich mich zu erinnern, wie die Erzählungen der Anderen weitergingen. Eigentlich völlig banal: Nach einer Pause wieder eingestiegen, wieder ran trainiert und weiter gemacht und gut gelaunt zum nächsten Wettkampf. Und genau so bastelt es sich in meinem Kopf zurecht. Wenn ich an das Erlebnis Laufen denke, an das Gefühl, manchmal schnell sein zu können, jedenfalls für meine Verhältnisse, an die vielen Stunden bei guter Musik und in guten Wettern, und auch an die gediegene Gesellschaft, wenn es in der Gruppe stattfand, da werde ich, so  lautet die Hoffnung, bald wieder dabei sein.

10.5.2018

Zwei Dinge gibt es nachzureichen: Ich bin heute, am Vatertag, mit den Hirschauern gelaufen, 22 km, schöne Strecke, manche Abschnitte waren neu für mich, da war ich nie zuvor, außerdem in guter Gesellschaft. Hinterher tat nichts weh. Das hat mir gefallen.
Die Tage auf dem Darß waren wundervoll, ich hab meinen Laufkumpel zum Start gebracht und am Ziel empfangen, da war ich stolz auf ihn. Ich war jeden Tag baden in der kalten Ostsee, es war so schönes Wetter. Und Zeit zum Fotografieren hab ich mir genommen, ein paar Bilder stell ich hier rein, einmal eine kleine Serie vom Strand, und Bilder aus dem  Zauberwald.