Am Vorfuß scheitern

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15.8.2016

Die erste und die zweite Arbeitswoche ist rum, d. h., auch die zweite Urlaubswoche ist gelaufen.
Ich war am Chiemsee, in Aschau zu einem Kurs Fotografie/Bildgestaltung. Da war ich nicht zufrieden, die angebotene Kost fand ich zu mager. Trotzdem war es lustig, die bayerische Provinz kennen zu lernen. Jedes Dorf hat anscheinend einen Trachtenladen mit Lederhosen und Dirndln, überall stehen Maibäume, oder wie heißen die blau-weißen Riesenstecken mit bunten Figuren oben drauf. Jeder Blumenkasten erscheint üppiger denn sonst wo.
Abends war ich paar mal in einer Muckibude, das war ok, allerdings fand ich den Dialekt schwer verständlich, zuerst hab ich gedacht, die veräppeln mich, jedoch, man spricht dort so.
Zu Hause wird die Baustelle langsam fertig, das Gerüst vorm Fenster ist weg.Das Haus sieht schön aus, meine Fenster jetzt auch wieder.
Laufen war ich und im Studio auch. Vielleicht hier ein Wort zum Vorhaben, zum Anlass dieses Textes. Wer weiß den noch? Es ging um das schnellere Laufen, das Einlernen des Vorfußlaufes.
Das ist mir unterwegs eingeschlafen, es hat mir durch erforderliche Konzentration die Lust verkleinert. Das Laufen wurde immer beim Umsetzen anstrengend, ging raus aus dem lustvollen Betreiben, die Freiheit des konzentrierten Musikhören und Texthören minderte sich, und die Routiniertheit des neuen Laufstils fand niemals statt. Nachdem ich mir wieder erlaubte, so zu laufen, wie mir die Füße gewachsen waren, war alles wieder gut. Hab ich jetzt verloren? Bin ich die Pfeife, die nicht mal selbst gesetzte Ziele erreicht? Das könnte ich so sagen, muss es aber nicht. Außerdem bin ich ja wirklich schon bissle schneller unterwegs. Ich werde also diesen Text hier enden lassen. So wie diesen Versuch. Ohne großen Schluss hört beides hier einfach auf. Will ich weiter laufen? Bestimmt. Will ich weiter texten? Man wird sehen.

29.7.2016

Die erste Urlaubswoche ist rum. Seit langer Zeit eine Woche, in der ich nicht einmal laufen war und auch nicht zum Sport. Trotzdem ist ja viel passiert, ich zähl hier einfach auf und beschreibe vielleicht manches später deutlicher.
- Da war der Geburtstag meiner Mutter, ein schönes Fest, von dem sie kaum was benennen kann, da sie unter einer schnellen Variante von Demenz leidet.
- Dresden anschauen, immer wieder staunen über den gebauten Prunk, Abgleich mit Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend, da waren Schloss und Semperoper und Frauenkirche Ruinen
- Die Häuser, in denen ich als Kind bei Großeltern und Urgroßeltern in Sebnitz war, stehen noch, zwei sind kurz vor dem Zusammenbrechen, in eins konnten wir reinschauen.
- Stolpen, die Burg steht auf einem ehemaligen Basaltvulkan und ist aus den Basaltsteinen gebaut.
- Bad Schandau und das Kirnitzschtal in der Sächsischen Schweiz als landschaftliches Ereignis von bezwingender Dichte. Wir haben einen kleinen, aber üppigst bestückten Botanischen Garten gefunden.
- In Schwarzenberg im Erzgebirge erfolglos nach Gold gesucht, das ehemalige Uranbergwerk Wismut in Pöhla angeschaut.
- Nach Theuern in Thüringen gefahren, unterwegs vier Schwarzstörche auf einer Wiese gesehen, angehalten, mit Fernglas genau geschaut. Gold gesucht und gefunden, die Goldsuchtechnik verbessert. Außerdem Schwarzschiefer gefunden mit wundervollen Quarz- und Pyriteinlagerungen, das macht optisch mehr her als die winzigen Goldflitterchen.
Hab ich was vergessen?
Gestern abends heimgekommen und im Sportstudio gewesen, heute gelaufen, ich find mein Leben grad ziemlich interessant und rund.

20.7.2016

Ich lebe noch und laufe noch, hab grad keine Lust zu schreiben. Das liegt am Lesen. Letzte Woche war es John Updike, "Terrorist", ein gutes und wichtiges Buch, der kann schreiben, diese Woche kämpfe ich mich wacker durch ein älteres Kulturforum, 360 Seiten über Kunst, manches, oder vieles kommt mir komisch vor. Ich würde in der Kunst nicht so viel gelten lassen. Immer wieder ist von Leerstellen die Rede, die die Rezipienten selbst beim Anschauen füllen sollen, die unerwartete und variable Ausführung der leeren Vorzeigung wird honoriert. Taucht mir doch die Frage auf, ...
Ich hab ja nix gegen das Mitdenken beim Kunstgucken, jedoch, wenn dunkler Raum als Möglichkeit von Bild, Bildinhalt vorgeführt wird oder der eine Strich auf dem Blatt als Möglichkeit der Zeichnung gelesen und verstanden werden soll, ist das nicht neu und nicht erkenntnisfördernd, wenn das Spiel an dieser Stelle für beendet erklärt wird. Man könnte manchmal auch sagen: Der Kaiser ist ja nackert. Geh ich also weiter laufen.

30.6.2016

Wieso vergeht Zeit so schnell? Über eine Woche nix geschrieben, nix gemerkt, dass es gefehlt hätte. Dann sitz ich davor, und die Zeit vergeht gar nicht und mir fällt gar nichts ein, was ich über das Laufen schreiben sollte.

 

Immer noch nicht.

 

Jetzt vielleicht? Vergangenen Freitag war ich zum Tübinger Spendenlauf. Wir waren um die 900 Läufer, so die Durchsage, alle auf dem einen Rundenkilometer unterwegs. Es war ziemlich warm, und man musste ständig langsame Läufer und Walker und Spazierwalker umhoppeln, nach jeder Runde gab es ein Kreuzle auf der Teilnehmerkarte, eine Stunde ging der Lauf, ich hatte neun Runden geschafft, wobei die erste Runde fast zehn Minuten dauerte, dann erst hatte sich das Läuferfeld etwas auseinander gezogen.
Gestern im Stadion: 3 mal 4 mal 200 m waren verlangt, die Jungs vornweg, erstaunlich, was die für einen Abstand herstellen. Sie sind nach 30 sec da, ich komm bei 38 an, komm mir vor wie Ed the Eagle, das war ein Skispringer bei Olympia vor langer Zeit, während alle weit sprangen, kam er die Schanze heile runter.
Warum lauf ich also, warum schreib ich also? Weil ich Lust hab, weil es mir sinnvoll erscheint, etwas zu machen, was ich machen will. Muss es mehr Sinn haben, braucht es mehr Begründung, muss ein Ziel dahinterstehen, das der Welt vermittelbar ist?
Heute am Nachmittag hab ich die Biennale zur Zeichnung in Eislingen angeschaut, ich als Ehemalszeichnender. Viele gute Arbeiten, alle beherrschten ihr Handwerk total. Interessant sind so Geduldsarbeiten, manchmal fotorealistisch, manchmal im Bereich Oberfläche oder Lineatur, dicht durchgezeichnete Konzepte, die zeigen, zu was Mensch mit Entschlossenheit in der Lage ist. Da würde ich auch den Begriff der Selbstbestimmung benutzen.

22.6.2016

Am Montag, vorgestern, war im Sportstudio zur Challenge geladen, das Programm war knackig:

1km Laufen
40 Pull ups
100 Situps
100 Push ups
150 Sqats
1km Laufen
30 Pull ups
80 Situps
80 Push ups
100 Sqats
1km Laufen

Das Ganze auf Zeit. So lautete die Vorgabe für Männer 100%, es gab noch Männer 50%, für Frauen jeweils mit anderen Anforderungen ebenso zwei Gruppen.
Meine Zeit war ok, nach 44,20 min war es geschafft. Warum schreib ich das heute erst. Am Montag war der Abend spät und die Hand zittrig. Heute kann ich immerhin wieder schreiben, den Lauftermin im Stadion hab ich abgesagt, weil der Muskelkater eindrucksvoll ist, bzw. handlungsverlangsamend. Ich bin sogar nachts aufgewacht vom Rumdrehen, da hat hier und da und überall was wehgetan.
Morgen gehe ich laufen, den Restschmerz vertreiben.


 

20.6.2016

Das ist jetzt eine lange Pause gewesen, vielleicht die längste bisher in diesem Text. Ich hatte wenig Zeit und Lust, hab zwei Bücher gelesen, bin gelaufen, war zwei Wochenenden arbeiten, hab die Kleinplastik - Triennale in Fellbach angeschaut und war im Sportstudio.Ich könnte hier noch aufzählen: Wäsche waschen, Einkaufen, Blumengießen, Rasieren usw., das ist wenig interessant, taugt nicht wesentlich zu einer Begründung von Schreiblosigkeit. Fiel mir nix ein, fällt mir nix ein?
Da war der Zweifel an der Erfolgsaussicht dieses Unternehmens aufgetaucht. Ich war beim Laufen langsam unterwegs, zwei Wochen lang dachte ich über meine Konkurrenz zu den Schnecken nach, da mein ich die Geschwindigkeit, nicht Aussehen noch Gefräßigkeit. Darüber kam es zu einer Stimmung, also Missstimmung, mit der will ich niemanden belästigen. Muss ich also warten, bis gute Tage beim Laufen kommen? Oder sollte ich redlich bekennend auftreten mit der banalen Wahrheit, dass es im Leben nicht immer vorwärts geht? Wird die winzige Lesegemeinschaft mich noch mögen mit dem Bekenntnis der Durchschnittlichkeit? Ich bin da streng. Höre keine mittelmäßige Musik, lege schwächliche Bücher schnell bei Seite, gehe aus nichtssagenden Ausstellungen schnell raus. Sind das jetzt Äpfel, die ich mit Birnen vergleiche?
Ein Text voller Fragen, alle unbeantwortet.

9.6.2016

Eigentlich kam ich heut vom Laufen zurück mit einem Plan, ich wusste, was ich abends hier schreiben wollte. Nachmittags war dann noch Sportstudio, halbe Stunde CrossFit-Tower, halbe Stunde Bauch spezial bei Siggi, dann noch bissle was an den Hanteln. Da ist es passiert: Einer von den Kraftbolzen fragte mich, ob ich was denk beim Sport, was zu Texten führt, ich sag: eher beim Laufen, er sagt, er arbeitet stur Vorgaben ab, da ist es still im Kopf, ich sag, hab keine Vorgaben, geht so nach Lust, er sagt, AAAHHH, deswegen siehst aus wie ein Lauch.

Er hat Lauch gesagt. Lauch: lang, dünnwandig, hohl. Ich muss wohl eindeutig das Protestgesicht gemacht haben, hab gemurmelt, dünnschlapphohl. Das führte zur Benennungskorrektur, jetzt hieß es: nicht Frühlingszwiebel, Porree. Ok, nicht hohl, halt ein bissle stinkig. Damit kann ich leben.
So ist es dazu gekommen, dass ich meinen Plan morgen weiterverfolge, wenn ich dann noch weiß, worum es ursprünglich gehen sollte.

4.6.2016

Folgendes war mir widerfahren: Den neuen Rechner mit dem ungeliebten Windows 8 hatte ich auf Windows 10 aufgemoppelt, es funktionierte alles wundersam. Dachte, mach ich genauso mit dem alten Rechner, er sei geeignet, war die Meldung. Danach ist der Rechner ohne die meisten Funktionen, also nutzlos. Da ich die Texte für die Seite auf dem alten Rechner hatte, auch den Webeditor und den Explorer zum hochladen und das Passwort, man kann es schon ahnen, es war gefühlt der Katastrophenfall eingetreten. Eigentlich lauter Kleinigkeiten, aber als Hobbynutzer fühlte ich mich etwas ausgeliefert. Hab es alles geregelt bekommen mit gewisser innerer Anspannung und wenn ich diesen Text im Netz lesen kann, werde ich mich beruhigt meinen vielen anderen unerledigten Zuständen widmen. Mal wieder laufen, mal einen Text über das Laufen schreiben, da hab ich ja auch was erlebt.

24.5.2016

Nachgereicht wird der Bericht von folgendem historischen Ereignis: Am 20. Mai war ich im Sportstudio trainieren, das Wetter war schön, man konnte raus an den CrossFitTower. Ich mach so meine Dips und Klimmzüge, da sehe ich es. Es scheinen zwei Sonnen. Ich hänge an der Stange und werde beleuchtet von vorn und mach einen Schatten nach vorn. Mühsam hängend den Kopf drehend, nach hinten schauend, ich werde beleuchtet und auch der Schatten ist da. Vor Verwunderung lasse ich die Stange los, lande und stehe auf meinen Füßen, die einen Schatten machen nach vorn, komisch wird mir erst, als ich den Schatten nach hinten sehe. Ich frage mich, ist mir da was entgangen bisher. Den Schatten, den ich sehe, seh ich meist vor mir, hab mich aber noch niemals nach hinten umgesehen, um den zweiten zu sehen. War er trotzdem da? Sollten wir das alle verschlafen haben? Das glaube ich nicht. Aber woher kommt dann die zweite Sonne? Und wird sie dableiben? Um jetzt nicht völlig als Spinner abgetan zu werden, hab ich wie ein seriöser Wissenschaftler einen Beweis erstellt, siehe die Bilder. Es ist natürlich ein indirekter Beweis, da ich nicht in die Sonne sehen, bzw. fotografieren kann. Aber die Wirkung der zwei Sonnen kann man gut sehen. Ich werde beim nächsten schönen Wetter eine erneute Prüfung durchführen. Eigentlich sollte es hier um das Laufen gehen, jedoch bei solchen Ereignissen ...

 

 

19.5.2016

Paar Nebensächlichkeiten:
In Dusslingen beim Hanneslelauf dabeigewesen. Zeit für meine Verhältnisse ok, nicht Vorfuß, Ferse am Boden gehabt. Dazu zwei Bilder, Hose davor, danach

 

Die Frage ist, lag es an meinem Fersenplatscher in allen Matschpfützen unterwegs. Vielleicht brauche ich den Schlamm nicht mehr fürchten, sollte ich ein richtiger Läufer werden.

Mein alter Rasierer ist zerfallen, als ich das Ersatzteil kaufen wollte, stellte sich das ungeheure Alter des Gerätes heraus, es gab schon lange nicht mehr sowas. Es handelte sich um Tod durch Altersschwäche. Bemerkenswert nach Neukauf war, da ist die Entwicklung nicht stehen geblieben. An solch einfacher Aufgabe wie Bartscheren haben sich Leute Gedanken gemacht, wie es schneller und komfortabler gehen kann. Und siehe da, ich bin beeindruckt.

Im Winter, so hatte ich vormals geschrieben, grüßte ich die Waldorchideen unter dem Schnee. Gestern, beim Lauf nach Ofterdingen fand ich eine Sorte blühend am Wegesrand. Welch eine Freude.

Es handelt sich um das "Kleine weiße Waldvögelein", sie heißt wirklich so, weil die Blüten wie auffliegende Vögel aussehen, es gibt sie noch in rot.

16.5.2016

In diesem Jahr, irgendwann dieser Tage, hatte Klaus Doldinger seinen 80. Geburtstag. Er ist Saxofonist und Jazzmusiker und hat u.a. die Titelmelodie für den "Tatort"  und "Das Boot" geschrieben, damit ist er bekannt geworden. Es gab auf  Arte eine Dokumentation über seinen Weg, in der auch der 80-jährige zu sehen war und sehr agil und putzmunter und voller Lust auf neue Aufgaben und Herausforderungen wirkte. Nicht alt und nicht müde.
Zuerst wollte ich erschrecken beim Nachdenken über die geringe Distanz bis dahin, das sind ja nur noch 25 Jahre, reichlich doppelt so viel Zeit ist schon um. Beim Zurückdenken mit diesem Zeitabschnitt lande ich beim Alter von ca 30. Es scheint ewig her zu sein. Was seitdem passiert oder erledigt ist, lässt sich nicht so auf die Schnelle zusammenfassen, deswegen zähl ich unvollständig Markantes auf:
-Völlig ungesteuertes Vorsichhinleben bekam eine Richtung, Ziele, dadurch entstand Lust.
-Der Kompromiss als Wert an sich gelangte zu gewisser Beachtung.
-Das Scheitern verlor an Tragik und gewann als jeweils neuer Ausgangspunkt Bedeutung
-Wünsche oder Träume passten sich Realitäten an, funkeln nichtdestotrotz. U. s. w..
So, hab ich gedacht, so schlimm ist es ja gar nicht. So genau rechnen lässt sich auch nicht damit, vielleicht ist der Rest 3 Jahre lang oder 45. Aber freuen will ich mich drauf. Hier in diesem Zusammenhang entsteht die Frage, was geht schneller? Werde ich schneller alt, als ich schneller laufen lern? Wenn ich schneller schneller laufen kann, kann ich dann dem Altern schneller davonlaufen? Das ist jetzt eine Scherzfrage gewesen. Außerdem will ich das nicht mal, mein Ziel ist, in Würde und Schönheit zu altern, dazu taugt das Laufen allemal.

15.5.2016

Ich habe ein Anliegen. Das Laufen soll schneller werden. Dazu geh ich dreimal die Woche oder so trainieren. Es gibt noch einen Weg. Ich könnte eine Kerze anzünden. Ich könnte einen einfachen Text sprechen, vor mich hin sprechen, die ersten Male müsste ich ihn ablesen. Das würde 9 Tage so gehen, dann käme noch ein Anzeigenkauf, z. B. beim Wochenblatt dazu, dann sollte es erledigt sein.

Soll ich das probieren? Ob sich Klara auch um flinke Füße kümmert?
Mir fehlen zwei Anliegen und das Vertrauen in diese Übung, die Kerze hätte ich.
Novene, hab ich gelesen, ist eine katholische, neuntägige Andacht. Über die hl. Klara kann man bei Wikipedia nachlesen. Hilfreich wäre außerdem noch ein wenig Gottvertrauen. Damit kann ich nicht dienen. Mein kleinlich-weltliches Drübernachdenken landet bei der Frage, ob diese Art Anzeige zum Selbstläufer des Anzeigenverkaufs wird.

14.5.2016

Eine Woche ohne Schrift, nicht ohne Laufen. Ich kümmere mich um kurze, schnelle Läufe, interessant ist das Hinterherlaufen im Stadion, ich glaub, ich bin schneller, als wenn ich allein schnell sein wöllte. Den Status, in dem ich mich grad befind, würde ich die "zuverlässige Fortsetzung eines Muskelkaters" nennen. Jedesmal, wenn ich die Laufschuhe auszieh, da geht es mir gut, hab ich für die nächsten zwei Tage für kleinen Schmerz vorgesorgt. Wahrscheinlich wird es mir fehlen, sollte es nicht mehr dazu kommen.
Der Umstieg beim Laufstil auf den Vorfuß dauert seine Zeit. Ein Problem ist, ich vergesse es immer wieder in der Situation. Ich find, es ist komplex, mit den Jungen ein für mich neues Programm zu laufen, immer an der Leistungsgrenze entlang und dann noch dran zu denken, wie ich die Füße setzen soll, noch eine Leistungsgrenze.
Nebenher: An einem regenreichen, lauffreien Tag fing ich an, Harry Potter zu lesen, den ersten Band. Hab ich schon mal gemacht. Als Schulbub hatte ich Lieblingsbücher, manche hab ich bestimmt fünfmal gelesen, z. B. "Der letzte Mohikaner". Es hat mich anscheinend, wenn ich meiner Erinnerung trauen kann, jedes Mal wieder berührt. So auch jetzt. Die Beschreibung des Lebens von H. Potter bei seiner Muggelfamilie hat mich wieder sehr erheitert.  Also weiter, Michel!

6.5.2016

Die Welt draußen duftet betörend nach frisch Erblühtem, Traubenkirsche und vielerlei anderes in der Luft.Temperaturen zum T-Shirt wegschmeißen, schmeichelwarmer Wind. Ich hab die Schneeflocken vom Marathonwochenende vergessen.
Heut war Stadionzeit, der Trainer hat mich gleich in sein Programm eingeplant. Drei Steigerungsläufe nach dem Warmlaufen, dann 2 x 5 x 200 m, unterteilt in 100 m schnell und 100 m ganz schnell. Ich bin also wacker und unverdrossen hinterhergelaufen, angekündigt ist für morgen und Sonntag heftiger Muskelkater. Am Anfang, die drei Steigeungen, bin ich auf dem Vorfuß gelaufen, danach nur teilweise, wenigerwerdend, es fehlt die Kraft. Trotzdem, bei den schnellen ersten Läufen, es kam zu einem Tempo, wo ich dachte, das Vornlaufen macht Sinn, erst hatte ich's im Video kapiert, heut durch das Erlebnis verstanden.
Jetzt müssen wir miteinander einen Schwenk machen. Bis hier bleibt der Text sehr speziell, wen interessiert schon Vorfußlaufen. Jedoch, worüber ich nachdenken will, kommt vielleicht auch für euch, am Laufen uninteressierte Leser, im Alltag vor. Ich nehme mir vor, einen lang durchgeführten, immer gleichen Ablauf, einen gewachsenen Automatismus neu und anders einzurichten, die Voraussetzungen sind günstig, hier ist es der Glücksfall von Freiwilligkeit und Motiviertheit. Das will ich mir mal anschauen. Also weiter, Michel!

3.5.2016

Das Internet, da youtube, bietet zu allen möglichen Themen alle Qualitäten an Information. Ich fand zum Begriff Vorfußlaufen ungefähr eine Million Videos, mehrere hab ich mir angesehen, eins hat mich überzeugt, da hab ich was kapiert, obwohl es nicht mal 2 min dauert. Der Link.
Die Dynamik des Aufsetzens des Vorfußes, des Abfederns, hat mich erreicht, so dass ich was hatte, was ich mir merken konnte, weil ich es verstanden hab. Damit bin ich dann auf die Strecke gegangen und hab angefangen, auszuprobieren. Es fehlt an der Koordination, es läuft überhaupt nicht flüssig, es stakst und holpert, Schnelligkeit kommt noch gar nicht vor. Aber die Waden melden sich. Schon auf der Strecke merke ich, da werden Muskeln benutzt, die kamen noch nicht vor. Die paar 100m-Abschnitte zum Ausprobieren führten am nächsten Tag zu deutlichem Muskelkater, ich kam mir vor, als hätte ich noch niemals Sport gemacht. Köstlich.
Der zweite Versuch lief deutlich besser. Vor allem hatte ich die Scheu abgelegt, unbeholfen auszuprobieren, dadurch konnte Konzentration entstehen, dadurch kam es zum ersten Laufeindruck. Ich habe kleine Schritte gemacht um ein Gefühl zu bekommen, die Ferse oben zu behalten, fast wie auf der Stelle laufen. Dann bergauf, da hat es sofort eine Logik, nicht auf die Ferse zurück zu sinken, kam es zum Erfolgserlebnis. Es scheint erlernbar. Wieder deutliche Zeichen von den Waden ob der ungewohnten Beanspruchung. Dann noch ein schneller Abschnitt, irgendwie, so gut es ging, und es war schnell. Gefühlt war ich die Hälfte der 6 km oben, der Muskelkater am nächsten Tag war da, aber viel geringer als beim Erstversuch. Also weiter, Michel!

 

3.5.2016

Das Vorhaben Marathon ist geglückt, zumindest soweit, dass das Ziel erreicht wurde. Der Nachweis ist gelungen: Ich konnte mit Hilfe des 12-Wochen-Trainingsplan von runners-world.de von sehr wenig laufen zur Marathonfähigkeit gelangen. Die Zeit war noch nicht gut, da fehlte es dann doch an Trainingszeit. Das ist ein Punkt zur Begründung des neuen Vorhabens. Ein weiterer Punkt ist der Spaß am Schnellerwerden beim Laufen. Schließlich kommt dazu die Lust, einen für mich neuen Laufstil auszuprobieren, ihn zu lernen. Bis hier bin ich wie die meisten Freizeitläufer über die Ferse abgerollt, habe durch das Zuschauen bei unseren Profis gesehen, die laufen über Mittel- und Vorfuß. Der Versuch, das einzuüben startet und soll hier beschrieben werden.