20.12.2015

Das Training für den Marathon Nr. 2 beginnt und hier ist es beschrieben.

 

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Dienstag, 26.4. 2016

Gestern hat es Stunden geregnet, heut auch, es waren die, in denen wir gelaufen wären. Am Sonntag hat es auch geregnet, aber davor und danach. Gehören Läufer zu den Gesegneten? Wenn ich dran denk, was ich erlebt hab mit mir auf den verschiedenen km, wird es mir ganz wohlig. Dieses "Nie wieder" gehört auch dazu, schließlich bin ich da durch. Ein kleiner Muskelkater kündet noch im Vergehen von den letzten km, die in der Erinnerung sich schon verklären.
Die Aufgabe für die nächsten Monate hat sich angedeutet, kam zu Stande durch Schauen bei richtigen Läufern (im Stadion, weiter unten im Bericht). Ich werde kein richtiger Läufer mehr, aber vielleicht kann ich den Zehner im Herbst so schnell, das ich in der Altersklasse weiter vorn lande. Wozu? Wozu lernt mancher Klavierspielen, Sudoku lösen, Rosensorten unterscheiden und benennen, das könnte jetzt so weiter gehen, also wozu? Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ich werde viel Spaß haben in meinem schönen Sportstudio, bißchen an der Kraft was machen, die hab ich mir fast weggelaufen, etwas weiterüben mit den Bällen, das soll man irgendwann als Jonglieren bezeichnen, wenn man es sieht, und Laufen im Wald und im Stadion, es kommen schließlich warme Tage. Außerdem werd ich all meine neuen und alten Bücher weglesen, an der Droge Musik schnuppern und meine Freude dran haben immer wieder neue zu finden. Vielleicht beim Schwimmen was dazu lernen, ich kann das Kraulen nicht. Schöne Aussichten, oder???

Sonntag, 24.4. 2016

Geh zeitig ins Bett, schlaf dich gut aus. So sprach Kai, der alle Darßmarathons (es sind 11) mitgelaufen hat. Hab ich vorgehabt, im Bett war ich zur rechten Zeit, ausschlafen unter Aufregung muss ich noch üben. Hab ich eben gewartet, bis die Vögel anfingen zu singen, dann kam noch ein Geklapper auf dem Dachfenster dazu, es gab einen Graupelschauer mit Gewitterdonner. Perfekte Temperatur, ein Grad. Der April. Fängt dramatisch an, entspannte sich dann komplett, Sonne kam und Regen ging. Herrrlich, vom ganzen Dorf Wieck auf die Strecke geschickt zu werden. Dann bald in diesen schönen Küstenwald, schwarze Wasserlöcher zwischen den Bäumen, darin saftgrüne Grasinseln mit schwarzen Rispen, die Sonne blinkert schräg drüber, man möchte bleiben und schauen. Nächstes Dorf, Prerow, alle an der Strecke, Musik und persönliche Anfeuerungen, der Vorname stand unter der Startnummer und wurde benutzt, ich fühlte mich gemeint. Eine Strecke oben auf dem Deich entlang, dann durch das lange Ahrenshoop, weiter direkt an der Abbruchkante der Steilküste, was für eine Landschaft. Bis km 24 im 5 min Schnitt durchgehalten, mit dem Gefühl, das wird knapp für den Rest. Dann kamen die langsameren km, ich war so froh um die gute Versorgung, alle drei km gab es zu trinken, mit Ansage in den Weg gereicht, und Apfelschnitz und Banane. Es ging dann auf der Boddenseite zurück über Born bis Wieck = Ziel. Ich war doch mehr mit mir beschäftigt, wollte mir gut zureden, hab alle mögliche Einteilungen der Reststrecke gerechnet, damit es kürzer scheint, wenn Leute standen, nahm ich etwas Haltung an, und einmal hab ich's verweigert, bin wie ein schlapper Sack an freundlichen Winkern vorbei. Dann hab ich mich geschämt und zur Ordnung gerufen, ob da im Ergebnis ein Unterschied war, weiß ich nicht. Der Gedanke: Nie wieder Marathon. Jedenfalls freute ich mich über jedes einzelne km-Schild, und dann war es geschafft. Die Zeit drei min besser als beim ersten Lauf vor zwei Jahren. Kaffee, Kuchen, freundlichste Atmosphäre auf der Festwiese.
Wie geht das weiter? Das ist ab morgen zu bedenken.

Freitag, 22.4. 2016

Zweimal werden wir noch wach, heißa, dann ist Läufertach. Ich denke nicht an übermorgen, das sieht man schon am ersten Satz dieses Berichtes. Wundervolle, erholsame Tage in Schwaan mit Kerstin und Wolfgang. Ein Höhepunkt war eine kleine Latsche zum Quelltal durch küstennahen Frühlingswald, da blüht neben vielen Blümchen der Aronstab, den fand ich noch nirgendwo. Ein weiterer das Anbaden in der 7 Grad kalten Ostsee, ich war nicht lange drin, immerhin bis zum Hals von Wellen umsprudelt und hinterher vom Wind schnell trockengepeelt. Außerdem gab es einen Lauf zu dritt, für mich stand im Plan: locker 30 min, wir waren etwas länger unterwegs. Eine Hirschkuh sprang im Wald 20 m weiter vorn über den Weg, sie war viel schneller als wir.
Am ersten Tag auf dem Darß, eine Ausstellung: Hanns Schimansky, ein Zeichner, für mich einer der Zeichner. Das erste Mal vor vielen Originalen gestanden, großartig, überraschende Lösungen, ganz eigene Zeichensprache. Es kam zu ungeplanten Ausgaben, ich musste die Kataloge erwerben, das Verhängnis war, ich konnte mit Karte zahlen und musste sie alle mitnehmen. Dann nochmal am Strand, Sand und bissle Steilküste, große Möwen. Das Wasser war ein Grad kälter als die Luft, am Bauch fühlte sich das eine Grad wie ein gewaltige Differenz an. Dreimal in die Wellen reingesprungen, ein köstlicher Spaß, bis es zwickt. Dabei kam mich eine lustigen Schar Strandläufer??? ( ich muss das zu Hause noch nachsehen) besuchen, die laufen als Gruppe der ankommenden Welle davon und dem zurückweichendem Wasser wieder hinterher. Ein putziges Getrippel, und wie schnell die die Füße einen vor den andern kriegen, ach, wenn ich so laufen könnte.
In der Abendsonne noch ein Kleinstlauf, locker 20 min, ich weiß auch nicht wieso ich am Sonntag 42 km schaffen soll. Jedenfalls war es die Strecke, um die es geht, ich kam an Schild 41 und 40 und 39 lang und dann wieder andersrum, also fast in Zielnähe, ich denk, es wird sich übermorgen anders anfühlen.

Montag, 18.4. 2016

Morgen fahr ich los, eine lange Tour, 3 Tage bei Freunden, danach geht es auf den Darß, am Sonntag findet der große Lauf statt. 42 km laufen in einer der schönsten Landschaften Deutschlands, zusammen auf der Strecke mit einem Freund, der alle Läufe auf dem Darß mitgemacht hat und der eher als ich im Ziel sein wird. Das klang so, als ob ich meiner Sache sicher bin. Bin ich nicht. Ich hoffe, dass ich es schaffe, ich hab den Trainingsplan ziemlich präzise abgearbeitet. In der letzten Woche sind keine langen Läufe mehr im Programm, so dass mir die Gewissheit schwindet, 35km am Stück laufen zu können, ich befinde mich also in der Aufregungsphase.
Heut war ich im 1861, für mich das schönste Sportstudio, das ich kenne. Nicht, dass da die Wände besonders sind oder die Geräte allein tun, nein, es sind die Mitglieder und die Trainer. Ich hab geschwind bißle was für die Kraft getan, dann am Jonglieren geübt, die halbe Stunde aus dem Plan weggelaufen, ich sollte ruhig machen, hatte aber Lust auf eine schnelle kleine Runde, es war kühl und windig, aber die Schwalben und Falken waren auch unterwegs, schneller als ich und in höheren Gefilden, vor dem Regen waren wir alle am Ziel. (Als ob ich was von Schwalben weiß. Aber so ist Sprache. Trifft oder eben nicht. Sagt z. B. Immergrün zu einer Pflanze, die blüht immer blau, nur in Bearbeitungen manchmal weiß und manchmal violett. Warum jetzt die eine immergrüne diesen Namen bekam und nicht die Kiefer und nicht der Osterkaktus, das lässt sich so auf die Schnelle nicht ergründen.)
Den Bericht von dieser Woche werd ich wohl nachreichen, vermutlich hab ich nicht überall Internet.

Mittwoch, 13.4. 2016

Auf dem Plan stand: 2 mal 3 km im Halbmarathontempo, bin ich also rundenzählend im Stadion losgehoppelt, war neugierig, was rauskommt. Und siehe da, es war eine km-Zeit von 4.32 min. Das ist weit weg von glanzvoll, jedoch für meine alten Füße ein maßvoll fröhliches Ergebnis. Wenn man das jetzt einfach hochrechnen könnte, aber so funktioniert das Leben nicht, und ich weiß das.
Die Angaben zur Musik: Da tauchen Namen auf, von denen ich weiß, sie werden nicht genutzt, z. B. Beethoven, oder sie sind unbekannt. Ich mach ab und zu ein paar Angaben dazu, was jeweils für mich das Besondere ist, meist langen dafür ein, zwei Zeilen, ich will ja niemanden plagen, trotzdem ist es mir ein Vergnügen, beinahe ein Laster, von den gefundenen Schätzen zu künden. Vor allem auch von der Einfachheit der Suche, das Schöne am Netz ist, hat man eine Preziose gefunden, eröffnet sich immer das Feld dazu. Die Verbindung mit dem Laufen, mit den langen Läufen ist ganz offensichtlich: Wann sonst im normalen Leben nimmt man sich die Zeit, Aufführungen, Konzerte konzentriert zu hören, also ein, zwei, drei Stunden dranzubleiben. Zu Hause ist viel Ablenkung, auf Arbeit ist viel Ablenkung, aber beim Laufen passt es. Außerdem, bin ich komplexen Gebilden auf der Spur oder erlebe beglückend Wiedererkennen, spüre ich all die unbedeutenden Zipperlein, die man so ab km 20 hat, erst ab km 30, und da isses bald rum. Es ist also eine Art Doping und niemand wird mich dabei erwischen. (Vielleicht habt ihr gemerkt, das war jetzt eine Aufforderung zum Laufen und zum Musik ausprobieren.)

Montag, 11.4. 2016

Gestern war Kirnberglauf in Tübingen-Lustnau, ich hatte den Halbmarathon angewählt, der passte gut in meinen Trainingsplan. Da waren also 21,095 km und 419 Höhenmeter zu bewältigen, ich hab den 5min/km Schnitt grade so unterboten, ergibt 1,44,20 Stunden, damit bin ich im ersten Drittel gelandet. Nun ist mir schon klar, dass dieser Lauf mehr ein Spaßlauf ist, also die schnellen Leute nicht dabei sind, trotzdem hat sich das gut angefühlt. Unterwegs bin ich zu einem Kiebinger Läufergraubart aufgelaufen, den ich schon viele Jahre kenne, grad zur rechten Zeit, der sagte mir: "Mach mal schneller". Da war ich irgendwie gedankenlos im Trainingstrott gelandet. Bin ich also wieder energischer losgehoppelt, und musste lachen, denn das ging ohne weiteres und ich hatte es vergessen.
Heut kam der erwartete kleine Muskelkater, bin ich gleich früh zu Siggi in den Kurs gegangen und danach noch eine kleine Runde gelaufen, Siggi sagt dazu: "Böses soll man mit Bösem vertreiben."

Angekündigt war ein Gedanke zur Gabe der Selbstprophetie, ich mach's mir einfach und lass Bilder sprechen.

 

 

 

Die zwei oberen Bilder sind Zeichnungen aus dem Jahr 2010, die unteren Bilder liefert das Handy dank runtastic im Intervalltraining, im Stadion auf der 400m Runde gelaufen. Irgendwo in den Texten auf dieser Seite ist formuliert, dass das Manifestieren von Zeichnung, einfach so und immer weiter, keinen Sinn ergibt und ersatzweise der Körper zur bespielbaren Leinwand wird. Ich find, man kann die Art der Umsetzung, sitzend am Ateliertisch erstellt, schon gut sehen. Da wusste ich also schon Jahre zuvor, das meine Füße in der Landschaft usw. Jetzt fang ich an, neugierig die Zeichnungen aus alten Zeiten durchzuschauen, wer weiß, was mir noch alles blüht.

Mittwoch, 6.4. 2016

Mittwoch ist Termin Laufbahn Stadion. Angesagt waren 10 x 400 m in 1.35 min, dazwischen eine Runde Pause = Traben. Das erste Mal hatte ich den Eindruck, das sich Training auszahlt, heut hab ich alle Runden in der Vorgabe laufen können, manchmal sogar wenige Sekunden schneller. Ein schöner Spaß.
Ein abrupter Wechsel zu einem der angekündigten Themen: Was ist der Mäusestaat? Das weiß ich auch nicht, jedoch vermute ich, dass es sowas gibt. Bin ich jetzt einfältig, oder hab ich zu viele Fabeln gelesen? Ersteres manchmal schon, ich merk es nicht mal immer. An den Fabeln liegt es nicht. Wie dann? Im Wintergras neben den Feldwegen, da bin ich viele abgelaufen, zwischen Weg und Feld kommt, wenn der Schnee schwindet, ein dichtes Netz von Wegen in Mäusedurchgangsgröße zum Vorschein, das erst, wenn es wärmer wird, von frischem Gras überwachsen wird. Das muss also der oberirdische Teil der Infrastruktur im mäuslichen Herrschaftsgebiet sein. Wird es alle Jahre neu angelegt oder nur ausgebessert, was vom Vorjahr blieb, wie organisieren die Mäuse das? Haben sie einen Chef, oder haben sie die Regel vom FSJ modifiziert? Sammeln sie dafür Steuerkörner ein, haben sie verantwortliche Planermäuse? Wir haben keine Ahnung, reden von Instinkten oder so und halten uns nach wie vor für die Krone der Schöpfung. Dabei sind diese Straßen alle Jahre fertig. Für die 12km B28  zwischen Tübingen und Rottenburg läuft die planerische Vorarbeit seit 1980, jetzt soll anscheinend der Bau losgehen und in zwei bis drei Jahren fertig werden.

Dienstag, 5.4. 2016

Im März hab ich die 400km-Marke abgeräumt, das ist mir noch nie passiert. Es tut nix weh, die Lust ist vorhanden, auch die Vorfreude auf den näherrückenden Termin des Laufes. Zumal der Trainingshöhepunkt mit dem gestrigen 35km-Lauf überschritten ist. Ich hab mir den Restplan, die letzten zweieinhalb Wochen angeschaut, da ist noch mal was mit 22 km drin, bissle Intervall und kurze Läufe mit Steigerungsintervallen, das war es dann. Am Sonntag gibt es in der Gegend einen Halbmarathon, da geh ich hin, laufen und Kuchen essen.
An Themen muss ich noch unterbringen, das schreib ich hier schon hin, um euch neugierig zu machen: Der Mäusestaat, Selbstprophetie durch Zeichnung und die Begründung der Musikangaben, vielleicht noch ein Wort zu Alice Munro, das ist die Literaturnobelpreisträgerin von 2013, da les ich grad was.

Dienstag, 29.3. 2016

Der MP3-Player hat den Inhalt gewechselt, ich war auf YouTube fündig geworden. Heute das zweite Mal unterwegs in kurzen Hosen, jaja, der Frühling kommt, gab es ein Konzert mit Sinéad O'Connor von 2007. Eine irische Sängerin mit äußerst bewegtem Lebenslauf, die bekannt wurde mit ihrer Version des Prince-Songs "Nothing Compares 2 U". Ihr Gesang ist professionell unangestrengt, ohne bemerkenswerte Raffinessen, aber wirkt sehr redlich, authentisch, das als so auffälliges Merkmal, das ich mir zu Hause auf Wiki ihren Lebenslauf anschauen musste. Ich glaub, ich würde sie mögen. Nach dem Lauf war Stadtgang, ein Amtstermin, dabei hab ich beim türkischen Laden an der Ecke Mispeln entdeckt. Wieder zu Hause: Ich nehm die Mispel, schneid sie einmal ringsum ein bis zur Kernhärte, drehe die Hälften auseinander, ziehe die Schale ab und pule die Kerne raus und dann mit saftigen Fingern ist Mispelglück da, ich esse die zwei und die nächsten und nächsten Hälften und denk, vielleicht ist das eine Frucht vom Schöpfergott Allah, sie schmeckt so anders gut denn sonst was.
Was hat das mit dem Laufen zu tun? Nichts. Aber mit dem "Es geht mir gut" hat das Laufen und das Musikhören und das Mispelessen und das Vögelschauen zu tun.

Sonntag, 27.3. 2016

Da ich bei langen Läufen schier am Verhungern war, nahm ich mir eine Banane mit. Nach 5 km schon machte sie komische Geräusche in meiner Tasche, ok, da hing die Trinkflasche davor, ich ging der Sache auf den Grund und musste sie sofort als Bananenschäumchen verzehren. Da frag ich mich, wieso die Dinger aus Afrika oder noch weiter weg heile hier ankommen. Die 35 km hab ich geschafft, war am Ende wieder hungrig und dann froh, als es zu Hause was gab. Unterwegs: Stieglitze beim Turteln untereinander, eleganteste Umfliegungen, dabei blitzen Gelb und Rot und Weiß in der Sonne. Dann an der Steinlach nach Dusslingen ein flach fliegender Vogel, braun, kleinamselgroß, gedrungen wie ein Zaunkönig, weißer Brustfleck. Eine Wasseramsel, die kann tauchen und läuft im flachen Wasser auf dem Grund, also nicht wie Bachstelzen mit den Füßen im Wasser, nein, komplett unter Wasser, herum zum Futtersuchen. Diese heut Gesehene flog sogar in den kleinen Wasserfall hinein, also hindurch, um dahinter zu landen und den senkrechten Raum hinter der Wasserfahne abzusuchen. Soeben verließ mich die Fähigkeit, ein kleines Ereignis präzise zu beschreiben. Jedenfalls hielt die Freude über diese schönen Begegnungen über alle km und auch jetzt.
Nochwas gibt es zu vermelden: Ich überschritt bei den Monatskilometern heut die 300er Grenze beträchtlich, nachdem ich gestern bei 299 war, steht in der Statistik, die mein Handy fabriziert, 334 km. Das erheiterte mich ebenfalls, weil sich damit so schön angeben lässt.
Etwas bänglich kam mir zu Bewußtsein, dass es unter einem Monat bis zum Termin Marathon ist, da werd ich wohl ab jetzt manches Mal drüber erschrecken.

Samstag, 26.3. 2016

Wie verschieden die Tage sein können, das geheime, niemandem vorab mitgeteilte Vorhaben ist gelungen. Bei schönstem Ostereierwetter hab ich in Rheinzabern einen 10 km Volkslauf mitgemacht, um mal zu wissen, was nach zehnwöchigem Lauftraining, Start nahe Null, so geht. Die Zeit ist noch nicht gut, 46 min, jedoch bin ich zufrieden. Ich hab noch vier Wochen bis Marathon, da passieren keine Wunder mehr, aber für die Zeit danach hab ich Rosinen im Kopf. Irgendwo unten steht die Zeile dazu. Auch kam es zum Höhepunkt eines jeglichen Volkslaufes: Durchnummerierte 32 Sorten Kuchen, alle selbst von den Vereinsfrauen (?) gebacken, einer schöner als der nächste, drei Stück hab ich in die Lücke der verbrannten Kalorien gefüllt, es war vorzüglich.

Freitag, 25.3. 2016

Kein guter Stern heut. Es regnete, war windig, kalte geblasene 6 Grad. Ich litt an Zipperlein, kann man das so sagen? Also, es tat nichts direkt weh, jedoch war das Fleisch schlapp, ächzte unter der Bürde des Alters, der Kopf reagierte darauf mit Mißstimmung, das ergab eine Motivationslage, die ich nicht genauer beschreiben möchte. Außerdem hab ich alles vorher falsch gemacht, zu spät gegessen, satt ins Studio, um die Wampe wegzutrainieren, zu spät aufgehört um warmzulaufen, und dann kamen Rundenzeiten raus, die hab ich immer schnell weggedrückt. Nach der fünften Runde bin ich entnervt ins Gelände, noch ein paar km über die Felder. Aber dann Sauna, später ein Kuchen und lesen.
Texte über Kunst. Ein Ausstellungskatalog: Ansichten zum Sport in der zeitgenössischen Kunst. Die meiner Ansicht schönste Arbeit war wie folgt beschrieben: Eine Künstlerin (Ana Busto) organisiert einen hochkarätigen Boxkampf in einer Galerie als Eröffnung einer Ausstellung mit Fotos und Videos aus der Boxszene. Da kommen also das Sportpublikum und das Kunstpublikum zusammen, zusammener als jemals und die Rituale beider Gruppen sind so verschieden, wie es nur geht. Deutlich wird dem Kunsttreibenden unter die Nase gerieben, dass die Adressierung seiner Arbeiten sich nur an ein winziges Segment, ein Ausschnittchen der Gesellschaft richtet.

Mittwoch, 23.3. 2016

Heute hab ich die ersten Schwalben gesehen. Das kann ich so sagen, auch wenn jetzt jemand daherkommt und verlautet: Ich hab schon gestern ... . Wenn ich sagen würde, seit heute sind die ersten Schwalben da, wäre ich sehr anfechtbar, jedoch mit meinem Satz ist alles im grünen Bereich. So eine schwierige Sache mit der Sprache. Vielleicht hab ich über dem kleinen Glück, alles richtig in diesem Satz zu haben, irgendwas übersehen, was dann trotzdem offensichtlich nicht stimmen kann, dann wäre das ein Späßle für meine Leser, mich zu erwischen. Beim Laufen war heut Intervall im Stadion dran, wieder die 800 m in 3,30 min, das Ganze zehn mal. Nach acht mal war es dunkel, das ließ ich gelten. Bei diesen Runden hoppel ich den Jungläufern hinterher und entwickele dabei vage neue Gelüste für das spätere Laufen. In die Richtung: Einmal die 10 km unter 40 min, das wäre auch schön. Man könnte jetzt fragen, was ist los mit seinem Kopf.
Gestern hab ich im Rammert, so heißt der Wald hier, einen frisch erblühten Seidelbast gefunden. Da hab ich kurz angehalten und mich dran gefreut. Die Schlüsselblumen und Immergrün und der Huflattich, alles blüht und kündet vom Frühling.
Noch ein Versuch mit der Sprache: Unterwegs hat mich ein Radfahrer überholt, dann hab ich einen überholt. Wenn ich sage, Radfahren ist schneller als Laufen, ernte ich kaum Widerspruch. Aber so ganz trifft es wieder nicht. Wenn also die Jungläufer mich ständig überholen, hätten sie vielleicht auch den mich überholenden Radfahrer überholt, wie sag ich das dann? Verzwickte Welt. Bernhard Pörksen, ein Tübinger Medienwissenschaftler, sagt: "Es kommt drauf an,...". Das könnte weiterhelfen.

Freitag,  18.3. 2016

Vielleicht eine Aufzählung als Bekenntnis zum Heroismus: Um 3.40 Uhr klingelte der Wecker, im kalten Auto zum kalten Bus gefahren, der wurde wegen der Länge des Arbeitsweges irgendwann warm, dabei die Schlager von SWR 1 gehört, ohne durchzudrehen, eine konfuse Frühschicht hingelegt, mal hier, mal da was angefangen, auf der Heimfahrt mit einem Kollegen bei köstlicher Ruhe im Auto gepennt und dann zum Laufen gehoppelt. Sonne schien und Frühlingsduft im Wind als Entschädigung, im Kopf trotzdem das Bild vom Sofa, irgendwie sind am Ende 15 km zusammengekommen, paar Runden als Intervall und bissle über die Felder nach Hause. Danach Aufwasch, Gemüse putzen, Obst waschen, Wäsche verräumen. Text schreiben. Warum Text schreiben? Das ist eine schwere Frage. Ein bisschen, um meiner Zwanghaftigkeit zu genügen, ich hab es mir nun mal vorgenommen. Auch ein wenig für meine Leser, es sind mittlerweile einige. Und, nicht unwichtig, um die freundlichen Rückmeldungen hin und wieder entgegenzunehmen. Stimmt da der Aufwand zum Nutzen? Das war immer meine Frage beim Bildermachen. Hier würd ich ganz subjektiv sagen: Ja, es passt, ich will es so.

Dienstag 15.3. 2016

Nein, sag ich zu solcherlei Wetter, Schneeflocken und Regentropfen fliegen quer windmitwärts, und ich soll rausgehen und loslaufen. Nein, da geh ich heut abend lieber zu Siggi ins Studio und lass mir einen frischen Muskelkater verpassen. Gestern schien die Sonne und prompt hatte ich Lust. Hab ohne Vorwegmuskelkater einen neuen Weg probiert, durch den Dusslinger Wald nach Kressbach hoch und wieder runter nach Weilheim. Gab am Ende 32 km, die letzten 10 auch noch mit Rückenwind, kam ich in guter Haltung und Laune zu Hause an. Unterwegs hörte ich einen podcast über das Leben mit Hilfe technischer Möglichkeiten nach dem Tod. Tod als Pause dank Kryonik, also sich tieffrieren lassen. Der Autor beleuchtete oder verdunkelte von einem gläubigen Ausgangspunkt, ich war hinterher nicht schlauer. Höchstens um die Verwunderung reicher, was man sich ernsthaft mit nicht vorhandenen Problemstellungen quälen kann. Hübsch die Fragestellung nach der Seele bei 196 Grad minus, taut sie wieder auf und tut dann wieder? Zum Lachen die Frage, ob langjährig Verurteilte nach vorzeitigem Versterben zum Strafvollzug in die Truhe müssen, auch die Bedenken, weil bei solchen Temperaturen die gute Führung nicht stattfindet, demzufolge die mögliche Begnadigung ausbleibt. Auf so was muss man erst mal kommen.
Danach gab es zu meinem Glück eine richtig schöne Musik: Wynton Marsalis mit seiner Big Band, ein Konzert zum Jubiläum der Gründung von Blue Note. Marsalis wird oft vorgeworfen, dass er seine hervorragende Begabung nicht nutzt, dem Jazz neue Impulse zu geben. Er würde nur die Klassiker immer wieder spielen. Da ist was dran. Jedoch bringt er und die Band diese Klassiker in einer so vorzüglichen Qualität, wie er den großen Bläsersatz präzise und klar hält, das kann man in dieser Güte nur bei ihm hören.

Donnerstag, 10.3. 2016

Auf meiner Liste stand immerzu: Text zum Laufen. Gelaufen bin ich. Meine Statistik für Februar sagt, es sind 293 km  geworden, der März hat Dank der entschlossenen Erledigung der letzten zwei Tage schon 120 km angesammelt. Da hat es nur mit dem Schreiben geklemmt. Heute hörte ich unterwegs einen Essay über Religion und Rationalität. Am meisten hängengeblieben ist mir eine Theorie, die ein Herr Schleiermann 1799 postulierte. Er fragte: Gibt es eine rationale Religiosität und bejahte das.  Er verwies zur Begründung seines Ja auf die in jedem Menschen vorhanden seiende Annahme der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Dieses Wissen werde dann durch Bestrebungen von Erklärungen in Religionen welcher Art auch immer übersetzt. Gleichzeitig hat dieser Herr Schleiermann formuliert, dass auf Grund dessen jeder Mensch glauben kann, was er will, aber nicht glauben soll, dass er im Besitz der einzig wahren Religion sei. Das ist über 200 Jahre her, schade, dass das bei vielen religiös sich Gebärdenden nicht angekommen ist.
Ganz nebenher könnte ich sagen, durch gleichzeitiges Benutzen von Füßen und Ohren kann man klüger werden, auch ist das Training effektiver, wenn es ja gleichzeitig Muskeln, Lunge und Hirn beansprucht. Mal hören, was mir als Nächstes auf die Ohren kommt.

Mittwoch, 2.3. 2016

Vormittags: Bei Regen bin ich ins Sportstudio, geriet zwischen fünf trainierende Volleyballer. Dass die groß sind, also alle um die 2 m, ist klar, trotzdem muss ich mich immer vergewissern, nach ihren Füßen gucken, ob die wo drauf stehen, wenn ich auf meiner Sichthöhe als Gegenüber lauter Schultern begegne. Außerdem haben sie eine verblüffende Reichweite, wenn sie die Arme waagerecht nehmen und irgendeine Hantel oder einen Gummizug durch den Raum schwenken. Das ist so unerwartet, wenn ich dann im Gang nicht mehr vorbeipasse. Hab ich mich als Hobbit erlebt.
Nachmittags: Ich wusste, ich wollte am frühen Abend im Stadion Intervall laufen, es regnete. Blasen in die Pfützen auf dem Hof, zwei Grad am Thermometer. Saß ich also trübsinnig hinter Glas, dachte, wird schon aufhören, dachte, Einbildung hilft vielleicht und Wünschen. Widerwillig in die Laufklamotten. Unmotiviert raus und losgelaufen, der Regen hörte auf, der Wind schob ihn weg und manch ein Loch in die Wolken. Hab ich also mich diebisch gefreut und an 8 x 800 m gemacht, 3 min 30 war die Vorgabe, ich bin bei 3,33 gelandet, die letzte Runde war die schnellste, da konnt ich alles raushauen. Hab mich als Regenmacher erlebt.
Abends: Gestern abend nach dem Sport bei Siggi bekam ich im Studio eine ausgesprochen freundliche und wohlwollende, anerkennende Rückmeldung zu den Texten auf meiner Seite. Deswegen sitz ich heute hier und mühe mich am Text. Wenn ab und zu jemand so was zu mir sagt, dann macht das also was mit mir.
Hab mich als soziales Wesen erlebt.

Montag, 22.2. 2016

Gestern war mir der Läuferhimmel gewogen, es hat nicht geregnet, war nicht kalt. Ich brauchte nicht mit mir ausfechten, wie ich die geplanten vielen km unterbringen soll. Da bin ich also gut gelaunt auf die Strecke, durch den Wald gestartet, hatte ab Ofterdingen Rückenwind, die Schritte wurden größer, so hat es gewedelt. Zu meinem Glück ist es mit meinem Orientierungsinn nicht so berühmt, Windrichtung und Laufstrecke bring ich nicht schlüssig zusammen. Sonst hätte ich da schon gewusst, dass ab Derendingen der Wind frontal an meiner breiten Läuferbrust anliegt und sich widerständig gebärden wird. Bis zum letzten Schritt tat er das. Egal, zu Hause beim Blick auf das Handy stellte sich raus, die Strecke war 32 km lang, die Zeit war schlecht, das konnte ich dem Wind anlasten.
Unterwegs hörte ich einen Beitrag zum Unsinn des zeitgemäßen Gläubigsein. Vom religiösen Standpunkt des Autoren erfolgte ein Einsammeln und Berwerten aller thesengerechten Argumente aus allen Zeiten, seit durch Schriften überliefert wird. Das Verunglimpfen aller nicht radikal Gläubigen, das Absprechen einer Fähigkeit zu Moral und Gutsein von Nichtgläubigen, die Unmöglichkeit ein gutes Leben zu führen, das nicht nur dem eigenen Nutzen dient, folgte. Ich hörte staunend, war schnell aufgebracht ob dieses Sendungsbewusstseins, und hab dann den Behauptungsmodus festgestellt, Thesen wurden vorgebracht und selbstverständlich für wahr gesetzt, um die nächsten Thesen begründet erscheinen zu lassen. Ich war so aufgebracht, das ich mehrmals mich erwischte, als ich ein lautes NeinNeinNein in den Wald sagen musste.
Danach erholte ich mich bei Ibrahim Malouf, bei Anouar Brahem.

Samstag, 20.2. 2016

Heute standen 28 km auf dem Plan, es hat geregnet, erst unentschlossen, dann überwiegend. Ich habe gekniffen, zu nass, zu kalt und zu windig. Dieses Kneifen kann ich mir heute leisten, morgen? Wenn es regnet?
Ok, die Woche war ich ausreichend unterwegs. Zweimal hab ich im Stadion Runden gedreht, einmal ging ich gen Ofterdingen und hab am Ortseingangsschild beschlossen: Ziel erreicht. Da muss ich ja dann noch zurücklaufen und das gab mit einer freiwilligen Waldschlaufe die 22 km, sind keine 28, aber immmerhin und zur Beruhigung taugt es. Der Laufplan wird langsam gnadenlos, fordert 5 Termine die Woche, die zwei freien Tage sind nicht etwa frei, sondern da steht was von Alternative, z. B. Schwimmen gehen. Ich geh zu Siggi, das ist auf jeden Fall eine gültige Alternative. Sonst? Außer Laufen?. Eine wundervolle Ausstellung, Video und Fotografie, Willie Doherty in der Villa Merkel in Esslingen. Starke Bilder für die Beschäftigung mit Vergangenheit und Erinnerung. Irische Geschichte, IRA, aber eben auch genügend Freiraum in den Metaphern, dass jeder gemeint ist und sich fragen kann über seinen persönlichen Status von erinnerten Verläufen.

Samstag, 13.2. 2016

Was ist los, Michel? Der letzte Text fängt mit dem Nachdenken über die Zeitlücke an, das könnte hier wieder stehen. Also gut, gehoppelt bin ich 5 von 7 Tagen. Bisheriger Höhepunkt war ein Intervalltraining im Rottenburger Stadion. Ich hatte eine freundliche Einladung von einem sehr jungen Schnellläufer und mein Trainingsplan sah vor: 7 mal 800 m in 3.30 min, dann 3 min locker zum Erholen. Das war ziemlich die oberste Grenze des für mich Laufbaren. Sowas macht sich auf der Bahn natürlich Klasse, man weiß immer genau, wie weit es noch ist. Die Jungläufer waren auch da, und ich hab einfach mal gespickelt, wie die so laufen. Ganzkörperspannung, dynamisch nach vorn ausgerichtet, ich kam mir wie Schildkröte vor. Im Kopf kann ich das auch, muss halt noch bissle Koodination, Kraft, Schnelligkeit, Schrittgröße und ein paar solcher Kleinigkeiten dazulernen.
Überraschender Befund: Obwohl ich in der vorletzten und letzten Doppelrunde alle möglichen Selbstzweifel hatte und mir eher nach Kotzen war, also ein wenig, bin ich wiedermal völlig beglückt und auch motiviert zu Hause angekommen.

13.2.1945

war die Bombennacht in Dresden, angloamerikanische Bomberstaffeln haben das Stadtzentrum zerlegt, militärisch war da nichts zu holen, es gab 35000 Tote. Meine Mutter war da vier Jahre alt, sie ist an der Hand ihrer Mutter aus der brennenden Stadt gelaufen, bis nach Sebnitz zu den Großeltern, 50 km, und nachts war das Feuer über diese Entfernung zu sehen, so konnten sie erzählen.

In den frühen 1980iger Jahren fanden zu diesem Datum an der Ruine der Frauenkirche Friedensdemonstrationen statt, die nicht im Sinne der DDR-Oberen waren, es ging immer auch um die Freiheit des Andersdenkenden.

Heute nutzt Pegida zusammen mit hysterischen, ängstlichen Schreihälsen aus der rechten Ecke dieses Datum für das Rumschmutzen und Pöbeln, da sind haufenweis Leute drunter, die merken nicht mal, in welch schönem und sicheren Teil der Welt wir unser Auskommen haben.

Freitag, 5.2. 2016

Eine Zeitlücke zum letzten Eintrag tritt auf, die wäre fatal, wenn es um das Training ginge, es handelt sich zum Glück nur um eine Schreiblücke. Heut fand ein blitzsauberer 22 km Lauf statt, immerhin nach und auch vor der Nachtschicht. Die Sonne war bissle da, beim Untergehen rot, die Temperatur sanfte 10 Grad, ich war es zufrieden. Zumal ich mit einer Nachfreude auf die Strecke ging: Zum ersten Mal in meinem langen Leben sah ich heut aus meinem Küchenfenster einen leibhaftigen Waldbaumläufer. Den Kleiber hatte ich schon oft beobachtet, der einzige hiesige Vogel, der an Baumstämmen hoch und runter läuft, dabei auch runterwärts mit dem Kopf  vornweg. Der Baumläufer macht es anders: Er landet unten am Stamm und läuft ein, zwei, drei Runden spiralig aufwärts und pickt dabei Insekteneier und -larven aus der Rinde. Hat er die Höhe der letzten Runde erreicht, fliegt er zum nächsten Stamm. Da ich das so erwartet habe, konnte ich in Ruhe mein Fernglas holen und ausgiebig genauer schauen nach seinem weißen Bauch und seinem feinen Schnabel. Hat irgendwer etwas wichtigeres erlebt?

Dienstag, 26.1.2016

Bar jeder Elastizität, aber nicht mutlos kam ich heute zu Hause an. Hatte ich doch Ofterdingen von der anderen Seite erreicht, also von Dußlingen aus, das ich über Derendingen, das ich über Weilheim, über Kilchberg, Bühl und Kiebingen anlief. In Ofterdingen stand ein Schild: Rottenburg 11.7 km. Ergibt zusammen 30,66 km, so sagt mein Handy. Unterwegs die ersten Winterlinge, voll erblüht in überzeugendem Gelb. Dem Graureiher ins Auge geschaut, wer weiß, was der für einen Vogel gesehen hat. Weißen Pferden auf Ofterdinger Wiesen beim Busserln und Schmusen und sonstigen Spielen zugeschaut. Das ist mehr als manchmal im Kino, mir hat es gefallen.

Donnerstag, 21.1. 2016

Ein unbeschwerter, langer Lauf, ich hatte mir ein Gleitzeitfrei eingelegt wegen vorhandener Überstunden. Also auf nach Ofterdingen, bei strahlender Sonne durch verschneiten Wald. Heute ist mir durch Beobachten der Nachweis gelungen, dass weiß weißer als weiß sein kann. Der Schnee lag nicht nur am Boden, sondern auch auf den Zweigen der Bäume. Manchmal wehte ein kleiner Wind, dann fiel was davon runter in den liegenden Schnee. Patschte auf und war deutlich zu sehen. Eben weißer als das Schneeweiß vom Boden.
Nun könnte man fragen: Nützt es was? Ich weiß es auch nicht. Wenn ich demnächst vorm Jüngsten Gericht aufzählen soll, was ich hienieden vollbracht habe, werde ich es auf jeden Fall mit anführen.

Sonntag, 17.1. 2016

Es wird Ernst, so fängt auch der letzte Text an. Hier geht es um anderen Ernst. Es gibt eben verschiedene Ernste. Dieser meint: Es liegt Schnee, ist kalt und an manchen Stellen rutscht es. Das ist dann richtig anstrengend, denn es rutscht meist nach hinten weg, wenn ich vorwärts will. Auch sind die Laufschuhe nicht ganz schneetauglich, vorn durchs Netz und seitlich obenrein geht immer was ab 5 cm Schneehöhe. Heut hab ich mir die Welt schöngedacht, als ich an den Stellen vorbeilief, wo in 5 Monaten das weiße Waldvögelchen blüht. Dann gibt es noch mehrere Stellen, da findet sich im Sommer der Breitblättrige Stendelwurz(1), und noch ein Fleckchen, wo ich schon die Waldhyazinthe bestaunte, die auch eine Orchidee ist. Ich hab sie alle gegrüßt unter dem Schnee.
(1) Breitblättriger Stendelwurz ist ein schwer zu sprechender Name, wenn es beim ersten Mal danebengeht, und ich versuche zu berichtigen, kommt meist großer Quatsch raus. Aufgabe: 7 x den Namen hintereinander sprechen!

Mittwoch, 13.1. 2016

Es wird Ernst. Die Arbeit läuft wieder. Die Woche Nachtschicht. Das heißt: So bald als möglich aufstehen und dann den inneren Schweinehund niederringen. Gestern verlor ich dieses Kämpfchen. Heute hat es geklappt. 22 km, bis Tübinger Freibad und über Wurmlingen zurück. Nach den ersten km kam die Sonne raus, ich hatte die erste Hälfte Rückenwind. Zweite Hälfte Wind und Regen, beides kalt, ins Gesicht hinein, manchmal flog der Rotz waagerecht von dannen.
Auf den Ohren erst Cassandra Wilson mit David Murray im Konzert. Energie, kunstvollster Spielwitz, richtig was zum Zuhören. Dann ein Mitschnitt von einem Konzert von Christina Aquilera. Außerordentlich kraftvoll und gut, die hat eine Stimme, zauberhaft. Beim Hören, auch des Publikums, kam die Erinnerung an eigene Jugend und Konzerterlebnisse machtvoll hoch. Mein Gott, war das eine Wucht, als Karussell in Dresden das Lied vom Gänselieschen spielte, und wir wussten genau, dass da eine Art von Freiheit beschrieben wurde, die uns die DDR nicht bieten konnte. War das ein Schwelgen und Sehnen und auch ein Glück, wir wussten miteinander, wir stehen auf der richtigen Seite.
In diesem Schwelgen kam ich dann heim, nicht mehr ganz so elastisch wie vor dreißig Jahren, aber im Bewusstsein dieses Glückes, das bis heute reicht. Was für ein schöner Lauf.

Montag, 4.1. 2016

Der erste 20km-Lauf. Da ich morgens bei Siggi zum Body Styling war, Siggi ist meine Lieblingstrainerin im Sportstudio und der Kurs mit diesem hochtrabenden Namen führt immer zum vollständigen Schwitzen, ich meine mit vollständig, es tropft und hört erst nach Ende der Stunde wieder auf, bin ich erst ab vier in den Wald Richtung Ofterdingen gehoppelt. Die Sonne schien, Wolken veränderten sich ständig, weil ein kleiner Wind war. Auf halbem Rückweg, im Wald war es schon ziemlich dunkel, sah ich nach vorn den ansteigenden Weg im Himmel enden, es war ein kleiner Durchblick durch die Bäume links und rechts vom Weg, die oben zusammen kamen. Nach links machte die untergehende Sonne ein orangenes Feuer zwischen den schwarzen Baumstämmen. Rechts stand eine dichte dunkle Wand aus jungen Eschenstämmen, grau mit kleiner heller Zeichnung, kein Licht mehr. Hinten sah ich nichts. Obwohl was da war, ich war ja grad durchgelaufen.

Samstag, 2.1. 2016

11 km bei leichtem Regen und vier Grad. Ich bin langsam an die Strecke, hab den Berg in der flachen Anstiegsvariante gewählt, denn vor zwei Tagen war ich mit harter Wade heimgeschlichen. Das war nicht unerwartet, und die Stimmung war bissle tiefpunktig, weil, paar Wochen Pause in diesem Status heißt, von vorn anfangen. Heute war es in neuen Schuhen und gänzlich schmerzfrei. Das pure Glück.
Ich hatte im Dezember noch die hundert km vollgemacht, das ist einfach eine schöne Zahl in diesem Zusammenhang. Auch war das Wetter wie Frühling, die Gänseblümchen blühen und die Zaubernuss und der Jasmin und der rosa Schneeball.
Und dann fielen mir die Krähen auf. Ich wusste schon, dass sie auf Ampeln sitzen und warten bis die Nüsse überfahren werden, die sie ablegen. Wenn die Autos stehen, sammeln sie die Beute. Als ich in Straßennähe über asphaltierte Feldwege lief, legte mir eine und später die nächste Krähe jeweils eine Nuss in den erwarteten Laufweg, sie hüpften ein Stück beiseite zu warten, ob es klappt. Ich habe mitgemacht, bin geschwind draufgetreten und weitergelaufen. Als ich mich umdrehte, nachzusehen, war die Krähe am Einsammeln. Es fehlt eigentlich nur noch, dass wir uns per Augenblick verständigen, also die Krähe legt die Nuss vor mir ab, blickt mich an und dann die Nuss, ich nicke, sie geht zwei Schritte beiseite, ich latsch drauf und sie sagt: "Vielen Dank". Nein ich glaub, letzteres wird sie nicht tun, weil sie es nicht kann, aber nickend grüßen, das werden wir schaffen, wenn ich lange genug laufe. Wenn sich das herumspricht im Krähenvolk, werde ich wohl bald einen seltsamen Laufstil entwickeln.

Sonntag, 20.12. 2015

10 km bei strahlendem Sonnenschein, bin auf den Berg gehechelt, die ersten 4 km hatten 220 Höhenmeter. Bin ich nicht mehr gewohnt und merke mich deutlich, verstärkt von kleinem Muskelkater von gestern. Als ich dann zu Hause war, war es trotzdem gut.

Samstag, 19.12. 2015

Ich will das Laufen wieder starten. Es gibt verschiedene Gründe, das Wetter ist schön, ich will ab und zu richtig Kuchen essen, ohne dicklich zu werden, es ist eine Herausforderung und ich kann in diesem Gerüst was aufschreiben. Der erste Marathon war genauso eine Furzidee, wie jetzt diese Geschichte, nicht lange überlegt, sondern die Eingebung als akzeptabel empfunden.
Der erste 12km Lauf heute, bei sonnigen 14 Grad, im vergangenen Zeitraum bin ich nur zum Warmwerden mal so 5 oder 7 km unterwegs gewesen und fand mein Geschnaufe und Geschwitze schon etwas nervig. Trotzdem war es gut, hab einen Sportkumpel getroffen, radfahrend, hatten wir ein kleines Schwätzle. Am Ende fand ich die Zeit besser als erwartet, und es tat nix weh. Hinterher gab es Apfelkäskuchen mit dicken Streuseln drauf, richtig gut.